Von Kirchtürmchen zu Kirchtürmchen

Von Kirchtürmchen zu Kirchtürmchen

Manche Kommunen pflegen gute Nach barschaft. Andere folgen rein dem Eigeninteresse. Die Windpark-Pläne bringen es an den Tag.

Energiepolitik, das ist was Globales. Die Klimaerwärmung betrifft schließlich den ganzen Erdball, sie geht alle Menschen auf unserem Planeten was an. Wobei, das ist bekannt, dem Klima-Thema nicht überall auf der Welt gleiche Aufmerksamkeit gilt; doch immerhin könnte man auf nationaler Ebene politisch nach gleichen Kriterien verfahren. Föderalismus? Na gut, dann sollte wenigstens für alle Bewohner eines Bundeslandes gleiches Energie-Recht gelten. Ist doch logisch! Ist im richtigen Leben aber ganz anders.

Zwar regeln Bundesgesetze, dass von der Energie, die wir in Deutschland verbrauchen, auf lange Sicht mehr aus erneuerbaren Quellen kommen soll, von Sonne über Wasser bis Wind. Bundesgesetze regeln auch, wie hoch die Zuschüsse dafür sind. Sie regeln aber nicht, wo welche Energieform sinnvoll ist. Und schon gar nicht, wie die Umweltlasten, die auch mit umweltschonender Energieproduktion verknüpft sind, aufzuteilen sind.

Das hat bizarre Folgen. Auf der Energie-Landkarte regiert ganz kleines Karo; rund um Kirchturm A gilt anderes Recht als nebenan am Kirchturm B. Und weil Gemeinde A - im Klartext: Bous - sich zwar die Vorteile neuer Energien wünscht, den eigenen Bürgern deren Nachteile aber nicht aufladen mag, schiebt sie die Lasten lässig weiter: Mit den Bouser Windrädern haben vor allem Püttlinger und Völklinger Stress. Gute Nachbarschaft? Schwerlich. Interkommunale Zusammenarbeit, in Sonntagsreden gern gefeiert, sieht erst recht anders aus. Beim Thema Windkraft feiert das Kirchturmdenken, das man im Saarland dringend überwinden möchte und müsste, eine fast gespenstisch anmutende Auferstehung.

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