Von Handys, Kühen und Blondinen

Auf den ersten Blick haben Handys, Kühe und Blondinen ja wenig miteinander zu tun. Warum das aber doch so ist, erfahren Sie hier. Sie werden danach mit ganz anderen Augen durch Saarbrücken gehen.

Manchmal reicht eine Melodie, um einen in der Zeit zurückzuversetzen. Oder ein Geruch. Oder ein Satz. "Guck vor dich!" ist so ein Satz. Neulich fiel er in der Saarbrücker Bahnhofstraße, als eine junge Mami ihren quirligen Filius zur Ordnung rief. Es war wie ein Rücksturz in die Kindheit. So oft gehört, so oft nicht befolgt. Mit verheerenden Folgen: Hätte ich als Vierjähriger vor mich geguckt, wäre ich nicht vom Weg abgekommen und auch nicht auf dieser Kuhweide gelandet, wo eine riesige Kuh mit ihrer noch riesigeren Zunge schnalzte, um mich abzuschlecken. Einzig mein Schreien konnte sie davon abhalten, bis ich schließlich gefunden wurde. Man darf mein Verhältnis zu Kühen bis heute als etwas verkrampft beschreiben. Aber ich hätte ja vor mich gucken können.

Und dennoch - ich war halt Kind. Aber wie viele erwachsene Saarbrücker laufen tagtäglich durch die Innenstadt und gucken auch nicht wirklich vor sich? Oder zumindest nur soweit, wie der Arm mit dem Handy entfernt ist? Fast jeder fünfte Fußgänger in Europa nutzt sein Smartphone, statt auf den Verkehr zu achten, fanden die Unfallforscher der Sachverständigen-Organisation Dekra schon im vergangenen Jahr heraus. Dabei kommt es oft zu haarsträubenden Situationen. Auch in Saarbrücken.

Im vorigen Jahr ereigneten sich nach Angaben der Saarbahn 29 Unfälle, bei denen Handys im Spiel waren. Darunter waren sieben Zusammenstöße mit Fußgängern, einer davon endete tödlich. Und das sind nur die Unfälle mit der Saarbahn, die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. Andere Städte haben darauf reagiert und versuchsweise sogenannte Boden-Ampeln eingeführt, damit die Handynutzer wenigstens auf dem Boden sehen, wann es Rot oder Grün ist, bevor sie über die Straße gehen.

Schade, dass es den "7. Sinn" nicht mehr im Fernsehen gibt. Das war eine tolle Ratgebersendung zur Verkehrserziehung. Die hätten sicherlich einen lustigen Film dazu gemacht, wo eine strunzdoofe, aufgetakelte Blondine mit dem Handy in der Hand gegen den Bus rennt. Das hätten die Leute sich wenigstens gemerkt. Das wäre Verkehrserziehung vom Feinsten gewesen.