Von Clowns und Urschrei-Gruppen

Mehrmals hat es am Montagabend an der Haustür geklingelt. Ich habe aber nicht aufgemacht, weil ich Halloween nicht besonders gut leiden kann. Man muss ja längst nicht alles kritiklos hinnehmen, was sich an Bräuchen aus den USA hierzulande etabliert. "Süßes oder Saures" verlangen die kleinen Gruselgestalten bei ihren "Beutezügen" durch die Straßen der Stadt. Haben wir in abgewandelter Form als Kinder auch gemacht. Da gingen wir von Tür zu Tür und stimmten jämmerliche Gesänge an, in der Hoffnung, ein paar Münzen von mitleidigen Menschen zu kassieren: "Bin e kläna Keeenisch, gebb ma nit ze weeenisch." Ob solch unverblümter Bettelei in der Nachbarschaft haben sich unsere Eltern natürlich geschämt, konnten den Unfug aber nicht unterbinden. Unser Aktionismus fand allerdings an Fastnachtsmontag und -dienstag statt - und nicht am Reformationstag und kurz vor Allerheiligen. Aber wurscht, wer es gut findet, soll seinen Nachwuchs ruhig von der Kette lassen. Was auch schiefgehen kann. Denn im Schwäbischen zog am Montagabend ein Rentner, der sich an der Haustür bedroht fühlte, einem Jugendlichen eine Holzlatte über die Rübe.

Von Halloween mal abgesehen, gibt's wieder einen neuen Trend, nachdem kein Smartphone-Besitzer mehr Pokemons jagt. Nun haben wir es mit Grusel-Clowns zu tun, die sich per Maske tarnen. Weil sie die neue Fastnachtssession nicht mehr abwarten können oder sich wichtig machen wollen? Keine Ahnung. Ich frage mich jedoch, was als Nächstes kommt: Auf einem weißen Tiger durch die Stadt reiten? Sich an der Autobahn-Leitplanke anketten lassen? Irgendein amerikanischer Fubbes wird es vermutlich sein.

Zum Thema Fubbes und Selbstfindungsversuch fällt mir gerade eine Lehrerin vom Gymnasium ein. Die erzählte uns vor rund 40 Jahren, dass sie in einer Urschrei-Gruppe aktiv sei - zur Befreiung des Ich. Das könnte man doch auch mal wieder aufleben lassen ...

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