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Vom Genuss sein Geld zu verpulvern

Vom Genuss sein Geld zu verpulvern

Wie ein Leuchtturm flamme es und scheine ganz allein Licht und Leben der Stadt zu sein, findet Denise Baudu beim Anblick des "Paradieses der Damen". Die junge, mittellose Frau vom Lande ist hingerissen von dem Warenhaus, wo es alle nur vorstellbaren Verheißungen und Verlockungen gibt, ausgestellt im gleißenden Licht unzähliger Lüster. Kaufhäuser waren noch neu, als Émile Zola 1883 seinen Roman "Das Paradies der Damen" herausbrachte.

Als Erster beschrieb er diese verführerische Welt geballten Konsums, die im 19. Jahrhundert für Kaufrausch und Aufbruchstimmung sorgte. Seitdem ist nun etwas an Zeit vergangen, die Kaufhäuser haben an Strahlkraft verloren. Obwohl im Zuge diverser Retro-Trends Shoppen im Kaufhaus schon wieder etwas Romantisches hat. Ja, man besinnt sich auf sie zurück, dabei ist heute alles, aber auch wirklich alles im Internet bestellbar. Vielleicht gerade deswegen… Außerdem kommt man so mal raus, kann Luft schnappen. Theoretisch braucht man die Kaufhäuser also gar nicht mehr. Aber praktisch?

Praktisch ist es eben bequem, dass es sie noch gibt, auch bei uns in Saarbrücken. Benötige ich nämlich Sicherheitsnadeln, dann kann ich die dort finden, genauso wie Kaffeelöffel, Kopfkissen und Pantoffeln, Regenjacken, Schlafsäcke, Tischtücher und Unterwäsche. Von A bis Z alles da, was nützlich oder niedlich ist. Und ist was extrem niedlich, muss man es ja irgendwie haben, sprich: kaufen, kaufen, kaufen. Gut, die Opulenz der Kaufhäuser ging zwischenzeitlich etwas flöten. Die meisten prunken nicht mehr mit Kronleuchtern, vergoldeten Vitrinen und Spiegelwänden, außer in der einen oder anderen Metropole. Weder Portiers noch Ladendienern, die einem die Einkäufe hinterher schleppen, kann man sich anvertrauen. Im ganz normalen Warenhaus wird man dafür gerne mal verkaufsfördernd beschallt und beduftet. Wobei strittig bleibt, ob eher Mozart oder Prince die Kassen klingeln lassen. Und ob die Portemonnaie lockernde Luftparfümierung tatsächlich funktioniert.

Wie auch immer, ich find's gut, dass ich mitten in unserer Stadt im gleichen Gebäude Stopfgarn, Socken und Schreibblöcke kaufen kann und dazu noch Bratpfannen, Trinkgläser und das Abendessen . So viele Tüten, uff! Jetzt hätte ich doch ganz gerne einen Ladendiener. Oder wenigstens einen riesigen Lüster, der meine Marktwirtschaft fördernde Mühen huldvoll bescheint….