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Vielleicht hilft ein Dreitagebart

Vielleicht hilft ein Dreitagebart

Der CDU-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Völklingen steht. Damit gerät die SPD immer stärker unter Zugzwang. Da achtet man auf jedes Signal aus dem magischen Dreieck Christiane Blatt, Erik Roskothen und Christof Schmidt. Und den Weckruf der Innenstadt.

Das sicherste Zeichen dafür, dass jemand unbedingt Oberbürgermeisterkandidat werden will, ist, dass er neuerdings bei öffentlichen Anlässen eine Schlips trägt. So deuten jedenfalls Beobachter das Outfit, mit dem ein SPD-Aspirant zur Völklinger Seniorenmesse kam. Beim Saarfest wäre dies allerdings deutlich übertrieben. Da trägt man immer noch wie früher offenes Hemd zu stolz geschwellter Brust.

Das Schaulaufen der Bewerber hat begonnen. Wobei die Sozialdemokraten, denen Klaus Lorigs Rückzug bisher gar nicht früh genug kommen konnte, klar in Rückstand geraten sind. Da wird weiter rumgeeiert um Christiane Blatt, Erik Roskothen und Christof Schmidt. Alle drei wollen ihre Ambitionen weder bestätigen noch dementieren. Wobei Innenstädter Schmidt, in der SZ als Newcomer bezeichnet, nun mit dem Hinweis reagierte, dass er bereits seit 2009 im Stadtrat sei. Da gilt wohl die Faustregel: Wer als erster die Nase heraussteckt, kriegt einen drauf. Und dies auch vor dem Hintergrund des internen Proporzes in der SPD. Fraktionschef Erik Kuhn wohnt wie Christiane Blatt in Ludweiler und Roskothen im benachbarten Lauterbach. Wenn nun die Macht des Warndt weiter gestärkt wird, müsste dann logischerweise (ebenfalls spätestens bis Ende Mai 2018) ein SPD-Bürgermeisterkandidat aus dem Innenstadt-Bereich als Nachfolger von Wolfgang Bintz her (CDU) her. Und das wäre dann ein relativ sicheres Ticket: Der Bürgermeister wird nämlich vom Stadtrat gewählt. Und dort verfügt die SPD, wenn die Linken helfen, über eine Mehrheit.

Dieses Problem mit der Konkurrenz der Stadtteile hat die CDU nicht. Ihr Kandidat Kevin Frank kommt von der Röchlinghöhe - einem ebenso innenstadtnahen wie neutralen Ort. Als Neuling hat im Stadtrat hat er mit peinlichen Dingen wie der Fischzucht wirklich überhaupt nichts am Hut. Etwas Verwaltungserfahrung wie bei ihm kann ja im Rathaus auch nicht schaden. In seinen vielen Posts auf Facebook wehrt er sich auch gegen Pauschalvorwürfe an die Bundeswehr. Da dürfte er früheren Kameraden aus der Seele sprechen. Und steif mit Schlips und Kragen kommt Frank auch nicht daher. Offenes Hemd, offener Umgang und ein Stoppelbärtchen sind seine Markenzeichen.

Vielleicht hilft es der SPD bei ihrer Entscheidung, wenn einer ihrer drei OB-Aspiranten sich auch einen Dreitagebart wachsen lässt. Das gilt natürlich nicht für Immer-Noch-Favoritin Christiane Blatt.