Verzückung und Lobpreisungen

Eines der ,,Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst" in Deutschland - das ist der Hammerkopfturm in Camphausen. Jedenfalls wurde er im März dieses Jahres dazu erklärt. Ihm ging ein Ideenwettbewerb der Ingenieurkammer voraus, die die Folgenutzung der faszinierenden Immobilie zum Inhalt hatte. Drei Saarbrücker gewannen diesen Wettbewerb mit ihrem Vorschlag, den Förderturm in ein Zentrum der Erlebniskultur zu verwandeln. Der Blick auf das ,,Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst" ging vor Ort mit äußerster Verzückung, Lobpreisungen und Reden einher. Da wurde gar ,,die saarländische Seele" beschworen hinsichtlich unserer Industriekultur. Und jetzt, ein halbes Jahr später? Ist der alte Förderturm noch im unveränderten Zustand. Das wird auch noch länger (oder für immer?) so bleiben. Das Gelände muss noch aus der Bergaufsicht entlassen werden. Und anschließend wird wohl kein Geld da sein, um aus dem Bauwerk einen ,,Leuchtturm" zu machen.

Pessimisten sehen diese Entwicklung auch hinsichtlich der Herrensohrer Ortsmitte. Da haben sich Studierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft enorm ins Zeug gelegt und Modelle präsentiert, die beachtlich und anerkennenswert sind. Sie könnten dem Stadtteil ein ganz neues, sympathisches Gesicht verleihen. Doch ob hier jemals etwas passiert? Fraglich, sehr fraglich. Weil auch da der Investor fehlt, die Stadt selbst ,,nix uffm Lappe" hat.

Und so bleibt es bei Verzückung und Lobpreisungen, bei überschwänglichen Reden aus der Politik. Ein Jammer, dass so oft nur geschwätzt wird.