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Betrug per E-Mail
Verstand, Gefühl und ein toter Brite

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Diese Woche sollte ich vom Tod eines einsamen Engländers profitieren. Angeblich. Per elektronischer Post teilte mir „ein Anwalt aus Großbritannien“ mit: „Ich kontaktiere Sie wegen meines toten Klienten. Er hat kein überlebendes Familienmitglied.“ Dafür hatte der Engländer 9,5 Millionen Pfund auf dem Konto, also rund 10,5 Millionen Euro, stand in der Mail. Von Martin Rolshausen

Außerdem teilte der Anwalt mit: „Ich möchte dich als Erben nominieren, weil du den gleichen Nachnamen wie mein toter Klient hast.“ Ich solle ihm antworten.


Das war keine gute Nachricht, sondern eine böse Falle. Ein Kollege hat mir mal von solchen E-Mails erzählt. Wenn man antwortet, geht es darum, dass man erst mal eine Gebühr bezahlen muss, um an die Erbschaft zu kommen. Nach der Zahlung hört man nie wieder etwas. Eine Betrugsmasche also. Wobei mein Betrüger offenbar Anfänger ist: Er hat eine deutsche E-Mailadresse verwendet. Das tun ja britische Anwälte eher selten.

Unterschrieben war die E-Mail mit „John Dashwood“. Das passte zumindest. John Dashwood ist eine Figur aus Jane Austens Roman „Verstand und Gefühl“. Und darum ging es ja: Den Verstand über das Gefühl, in dem Fall die Gier, triumphieren zu lassen.