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Vereint durch den gemeinsamen Feind

Unsere Woche. Hélène Maillasson

Mit einem ehrgeizigen Projekt meldeten sich diese Woche die Saarbrücker Leichtathleten zu Wort. Als Alternative zum geplanten Sport- und Therapiezentrum am Kieselhumes hätten die Sportler lieber einen Park mit Anlagen für Basketball, Fußball, Hockey , Leichtathletik und Beach-Volleyball. Die meisten Anwohner scheinen sie auf ihrer Seite zu haben. Klar, auf einen fünfstöckigen Bau haben auch diese keine Lust. Früher hatten sie auf Musik bei Footballspielen, Startpistolen bei Leichathletik-Wettkämpfen und Lärm beim Hockeytraining sonntags keine Lust. Es wurde gegen die Stadt geklagt und manche Trainingseinheit von der Polizei abgebrochen. Dass sich jetzt die Anwohner klar für den Sport aussprechen, ist eine gute Sache.

Dass der Bau des Therapiezentrums als Anstoß dafür nötig war, hat einen negativen Beigeschmack. Jetzt wo sich ein Investor für die brachliegende Fläche interessiert, und die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte - die Fläche loswerden und künftige Beschwerden gegen den Sportbetrieb vermeiden - kommt der Sinneswandel vielleicht zu spät. Das wäre schade.

Das Konzept eines Sportparks ist verlockend. In der Stadt ist jeder Platz wertvoll, den Kinder und Jugendliche auch mit dem Bus erreichen können, um unter freiem Himmel zu trainieren. Doch wer soll das bezahlen? Die Stadt bestimmt nicht. In der finanziell angespannten Lage kann sie das Risiko nicht eingehen, so viel Geld zu investieren und dass die Anlagen in ein paar Jahren wegen Lärmbelästigung doch nicht mehr genutzt werden können. Weil dann eine neue lautere Sprechanlage eingesetzt wird oder neue Nachbarn eingezogen sind. Mit Klagen hat die Stadt Erfahrung, und ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Wie sich der Wind auf einmal drehen kann, hat man in den vergangenen Monaten erlebt.