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Unsere Autorin freut sich, dass sich manche Festival-Traditionen nie ändern

Schöne Tradition : Festival-Feeling ganz ohne Festival

Großveranstaltungen sind zwar aktuell Tabu. Aber das verregnete Wochenende hat bei unserer Autorin Erinnerungen an Vergangenes geweckt.

Corona hat uns ja eigentlich gelehrt, dass wir alle vielleicht mal ein bisschen mehr auf Wissenschaftler hören sollten. Aber um das Wetter am vergangenen Wochenende vorherzusagen, hätte ich tatsächlich keinen Meterologen gebraucht. Trotz wochenlanger Dürre und frühsommerlichen Temperaturen im Vorfeld war völlig klar, dass diese speziellen Tage nass und eklig kalt werden. Das wusste ich. Und zwar streng genommen schon seit Jahren.

Es ist – und tausende saarländische Festivalgänger dürften mir da recht geben – nun mal ein ehernes Naturgesetz: Das erste Juniwochenende ist für Rock am Ring reserviert und da dreht das Wetter durch. Das muss so. Schon rein aus Tradition. Wer auch immer da oben dafür verantwortlich ist: Er ist offensichtlich kein Musikfan. Oder falls doch, hat er vielleicht einfach etwas gegen laute E-Gitarren. Wie auch immer: Sieben Besuche am Nürburgring haben mir sehr schmerzlich klar gemacht, dass man während Rock am Ring wirklich mit allem rechnen muss. Unvergessen vor allem das Jahr, in dem es nachts sogar Frost gab. Anfang Juni! Da war der Sturm im Jahr darauf nichts dagegen.

Dieses Festival-Phänomen ist offensichtlich so ausgeprägt, dass es auch dann stattfindet, wenn die Veranstaltung selbst abgesagt werden musste. Eine solche Tradition kann sogar Corona nicht stoppen. Vermutlich nicht mal die Klimakatastrophe. Wobei es natürlich sein kann, dass diese Anomalie örtlich sehr beschränkt auftritt. Auch das gab es schon oft genug: strahlender Sonnenschein von der Nordsee bis zu den Alpen und mittendrin ein winziger Fleck tiefschwarzer Wolken auf der Wetterkarte, genau über der Eifel. Als wäre das Festival verflucht. Falls es so sein sollte, hat der Urheber aber Mist gebaut. Denn auch das ist ein Naturgesetz: Kein Mensch am Ring stört sich am Wetter, solange nur noch genug Bier da ist. Und das bleibt bei solchen Temperaturen wenigstens schön kalt.