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SZ-Redakteurin Ilka Desgranges zum Umbau des Ludwigspark-Stadions

Kolumne Unsere Woche : „Bau nur, was du bauen kannst.“

Das Altstadtfest fällt aus. So bleibt Raum, statt über große Feste über große Projekte nachzudenken. Bestes Beispiel: das Ludwigsparkstadion.

Saarbrückens Baudezernent Heiko Lukas (parteilos) ist seit vergangener Woche raus aus dem Spiel. Das Ludwigsparkstadion wird ohne ihn weitergebaut. Im Grunde könnte er aufatmen, doch mit dem Auswechseln ist es so eine Sache: Wegen großer Leistungen wird selten jemand vom Platz geholt.

Doch kann ein Dezernent, der vom Verkehrskreisel über marode Brücken bis hin zur Entwicklung von Stadtteilen nahezu für alles zuständig ist in einer Stadt, ein solch großes Projekt überhaupt stemmen? Diese Frage hätte man sich schon früher stellen müssen.

Das Stadionprojekt hätte somit schon viel früher einen in großen Bauprojekten erfahrenen Kopf gebraucht. Jetzt immerhin hat Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) die Notbremse gezogen. Wohl auch, damit der Bau, den er zur Chefsache gemacht hat, für ihn als Chef ein gutes Ende nimmt.

Jetzt hat die GIU (die Saarbrücker Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung), die schon immer für die Steuerung des Stadionbaus verantwortlich war, einen neuen Geschäftsführer, der wohl angetreten ist wegen des Stadions. Einen Bauexperten, einen, der sich schon auf der Baustelle des 1. FC Kaiserslautern bewährt hat. Einen Mann, der auch in anderer Hinsicht einen Vorteil hat vor dem Baudezernenten: Martin Welker kann sich allein auf das Stadion konzentrieren.

Heiko Lukas könnte jetzt aufatmen. Aber vielleicht musste er diese Woche auch erst einmal durchatmen. Mit der Verantwortung für das große Projekt ist wohl auch Ansehen dahin. Man kann die Entscheidung des Oberbürgermeisters so interpretieren: Er hat seinen Baudezernenten entmachtet.

Zuvor schon wurde in den Irrungen und Wirrungen des Stadionumbaus ein Dezernent aus dem Verfahren gezogen. Harald Schindel (Linke) von Charlotte Britz (SPD). Der Fall liegt dennoch anders, denn Ansehen verlieren kann nur, wer es hat.

Der neue Verantwortliche für den Stadionbau wird die Sache richten, wird das Ziel zügig erreichen. Das hoffen alle, und viele sind sich sicher. Bleibt nur die Frage: Warum kam die Einsicht so spät? „Bau nur, was du bauen kannst.“ Diesen Satz von Oberbürgermeister Uwe Conradt kann man auch so interpretieren: Versuche als Stadtverwaltung gar nicht erst, ein Großprojekt im Tagesgeschäft zu stemmen, denn du wirst es nicht schaffen.