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SZ-Kolumnistin lernt, wie gefährlich schlecht verstaute Bücher sind

Kolumne So kann’s gehen : Obacht – Buchschlag!

Manchmal stürzen Bücher aus Regalen. Wer sie zur Hand nimmt, sich erinnert, der macht womöglich eine Reise – vielleicht in seine Kindheit, vielleicht ins pure Abenteuer.

So dunkel und unwirtlich sind diese langen Wintertage, was kann man nur tun? Etwas gibt’s schon, das man tun kann, aufräumen zum Beispiel. Bücherregale, auch wenn sich das ab und an als gefährlich erweist. Zumal, wenn man derart viele Exemplare angesammelt hat, dass sie sich seit langem nicht mehr in übersichtlicher Ordnung verstauen lassen. Beziehungsweise wenn vor den ehemals aufgereihten Reihen noch haufenweise mehr oder weniger kippelig übereinandergeschichtete Buchkollegen liegen, die sich beim Verrücken ihrer inakkurat gestapelten Nebenbücher entschließen, spornstreichs von Immobilien zu Mobilien zu werden und gezielt und schwungvoll herabzustürzen. Harte Buchschläge auf den Kopf erhöhen vielleicht das Denkvermögen, aber auch die Tendenz zu mal à la tȇte, Kopfweh!

Selbst wenn es sich bei solch einschlägiger Literatur um Astrid Lindgren handelt, „Pelle zieht aus“, „Madita“ und „Das entschwundene Land“ trafen mich unvermutet. Womöglich sollte ich mich geadelt fühlen, nicht jeder wird schließlich von einer Lindgren erschlagen. Oder fast. Eventuell auch getadelt, weil ich die Lindgren’schen Kalles, Lottas, Michels und Mios so nachlässig eingeräumt habe.

Aber ich kenne da eine – Pippi mit Namen – die hätte für solche Nachlässigkeit sicher vollstes Verständnis. Seien wir ehrlich, Aufräumen ist Zeitverschwendung, genau wie Staubwischen. Das wird doch eh wieder unordentlich und staubig. Und zwar in kürzester Zeit. Von ganz alleine. Da braucht man gar nichts weiter dazu zu tun.

Man sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren. Hat man ein freundliches Pferd auf der Veranda stehen und lustige Zöpfe und Strümpfe am Leib, schaut alles recht gut aus.

Man sollte nicht vergessen, welches Potential man damit besitzt. Gab’s bei Pippi Langstrumpf überhaupt je einen Winter? Ich glaube kaum. Zumindest erinnere ich mich nicht, ich könnte mal nachlesen, das Buch liegt mir ja zu Füßen.

Falls es doch einen dunklen, deprimierenden, unerträglichen, langen, kalten Winter gab, was hätte Pippi getan? Handstand hätte sie gemacht, den Winter weggelacht, auf die Veranda wäre sie gerannt, sie wäre auf ihr Pferd gesprungen und hätte es ungesattelt in den Schnee geritten. Also, wo sind meine Ringelstrümpfe…?