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Städte-Trip mitten in Saarbrücken

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ARRAY(0x89e56b0) FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken für Fortgeschrittene. Susanne Brenner

Manchmal muss man gar nicht verreisen. Man kann auch in der eigenen Stadt ein Gefühl von Fremdheit und Entdeckung bekommen. Dazu muss man nur mal einen halben Schritt zur Seite machen und kurz seine üblichen Wege verlassen. Wir haben das jetzt auf die allersimpelste Weise getan. Wir haben einfach zwei sehr unterschiedliche, recht neue Lokale besucht. Und dabei sind wir gefühlt in zwei verschiedene Städte und Lebensgefühle gereist. Am ersten Abend sind wir nach dem Kino mal nicht in eines unserer üblichen Restaurants gegangen sondern haben das KimdoGo angesteuert. Das ist dieses neue koreanische Selbstbedienungslokal schräg gegenüber vom Staatstheater. Sie haben es bestimmt schon mal gesehen.

Es sieht ja schon auffallend stylisch aus mit seinen langen Tafeln aus grob bearbeitetem dickem Holz und den Hockerchen aus Baumstämmen. Drinnen ist es schummrig, es läuft diese wunderbar urbane Musik, ein bisschen Trance , ein bisschen HipHop. Auch das Essen schmeckt richtig lecker. Da sitzt man dann mit Schüsselchen und Stäbchen und schaut durch riesige Fensterscheiben in die Saarbrücker Nacht, sieht Autos vorbeifahren und Menschen vorbeilaufen und hat das Gefühl, ganz fremd zu sein. Das ist wie ein Kurzurlaub im Kopf. Weil uns das so gut gefallen hat, sind wir am nächsten Abend gleich an einen ganz anderen, neuen Ort gefahren. Der ist ohnehin seit einiger Zeit mein Lieblingsort in der Stadt: das Eurobahnhof-Gelände. Auch hier hat ein neues Lokal aufgemacht. Vino Salentino, eine Trattoria mit feinem Futter. Man kann draußen sitzen und hat einen Blick auf dieses verrückte Gelände, das vor gar nicht so langer Zeit noch eine schlammige Brache war. Heute hat es hier eine spannende Mischung aus alten und neuen Gebäuden. Manches davon ist architektonisch wirklich gelungen. Das neue Haus der Stiftung Demokratie zum Beispiel finde ich toll. Es ist eigentlich ganz schlicht, zitiert in der bunten Fassade aber das Bahnhofsgebäude und ist in der Kombination ein echter Hingucker. Immer wenn man nach längerer Zeit wieder an den Eurobahnhof kommt, hat sich dort was Neues ergeben. Die Galerie des Graffiti-Künstlers Reso zum Beispiel gibt dem Ganzen einen großstädtischen Touch. In der ehemaligen Buswerkstatt sind hippe Büros für junge Unternehmen entstanden. Und auf dem Gelände verteilt ist viel Kunst zu finden. Da sind die großen weißen Skulpturen von Michael Sailsdorfer in den Kreiseln und eine große Holzplastik von Martin Steinert am KuBa. Und überall gibt es jetzt Bäumchen, die dereinst mal in den Himmel wachsen wollen.

Das Beste aber finde ich diese eigenwillige Lage. Man ist im Prinzip mitten in der Stadt, denn mit zwei Schritten durch die Bahnhofsunterführung steht man vor der Europa-Galerie. Trotzdem ist es hier ruhig. Kaum Autos am Abend. Nur Zu-Fuß-Gänger, die vom Rodenhof in die Stadt laufen. Dafür sieht man die Lichter der Züge, die am Bahnhof auf ihre Reisen in die Nähe und in die Ferne starten. Das gibt so ein schönes Sehnsuchtsgefühl. Und wenn man in der neuen Trattoria innen sitzt, vielleicht sogar oben an den großen Fenstern, hat man endgültig das Gefühl, nicht mehr in Saarbrücken zu sein, sondern ganz weit weg. Gäbe es auf dem Eurobahnhof-Gelände Wohnungen, ich würde hier glatt einziehen. Irgendwo oben am Fenster sitzen, abends mit einem Rotwein und mitten in meiner Heimatstadt sein und doch an einem immer wieder neuen Ort.