Sprühen unter Mühen

Zögernd verzieht sich die Dunkelheit. Ich muss handeln. Jetzt. Denn das Sonnenlicht würde alles an den Tag bringen. Die Tür fliegt auf. Den Finger am Abzug, gehe ich zum Angriff über. Der Gegner hat sich im hintersten Winkel versteckt. Aber ich weiß, dass er da ist. Dass er wartet, bis ich aufgebe und er sich einnisten kann. Das lasse ich nicht zu. Lässig rotiert meine gelbe Waffe gegen den Badezimmerschmutz einmal um den Zeigefinger. Ich schalte von Sprühstrahl auf Dauerschaum.

Der erste Stoß. Der zweite. Oberarmmuskeln ziehen sich zusammen. Kraft strömt in die Hand. Frühsport der besonderen Art. Jetzt nur nicht schwach werden. Ich bin noch lange nicht am Ziel. Dann die zweite Angriffswelle. Aus dem Wasserhahn gurgelt sie über die Schaum-Inseln in der Badewanne, verschmilzt sie zu einer weißen, kräftig riechenden Masse und befördert sie Richtung Abfluss. Ich warte auf eines der von der Reklame verheißenen Alltagswunder. Darauf, dass das Wasser sich samt dem Schmutz spurlos aus der Wanne verzieht. Tut es aber nicht.

Einmal mehr liegen Welten zwischen Wirklichkeit und Reklamesprüchen. Von wegen: "Macht mühelos sauber ohne Nachreiben". Zwei Wischtücher später bin ich fertig. Aber nur hier. Denn in der Diele wartet schon der nächste Haushaltshelfer.

Unser Bügeleisen, preiswert im Drogeriemarkt erstanden und ohne hochtrabende Versprechen ins Haus gekommen. Wie schön, dass es genau das macht, was es soll. Es wird heiß und glättet Falten. Der kleine Erfolg entknittert meine hohe Stirn. Vorübergehend. Die nächste Herausforderung lauert bestimmt schon um die Ecke. Zum Haushaltshelden werde ich es wohl nicht mehr bringen.