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Kolumne So kann’s gehen
So sei es verkündet . . .

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Was am Heck eines Autos so alles klebt: Viele nutzen die paar Quadratzentimeter, um dem Rest der Welt etwas mitzuteilen. Um sich anderen zu präsentieren, versuchen sich einige als Witzbolde, andere als gallige Mahner. Oder als Kleinwagenfahrer, die wahre Größe in anderen Dingen suchen.

Ab und an verspüren Menschen den Drang, etwas in aller Öffentlichkeit von sich preiszugeben, ohne dass man sie gebeten hätte. Kann sein, das ist eine Art Offenbarung, eine Geißelung, die der Beichte gleichkommen mag. Vielleicht erhofft man sich Vergebung. Einige entblößen sich im Internet, per Twitter, in den sozialen Netzwerken. Andere auf der Karosserie ihres Fahrzeuges.


Auf dem Weg zur Arbeit wird einem schon frühmorgens einiges verkündet. Autofahrer teilen Essentielles mit: dass sie auf Sylt waren, die Toten Hosen mögen oder Death Metal, dass Sven und Lea an Bord sind, dass sie auch für Tiere bremsen, dass sie Meerschweinchen mögen, an den Erlöser glauben oder an den Beelzebub, für oder gegen alles sind, sie die Welt retten wollen, aber trotzdem Auto fahren. Und was so der Überzeugungen, Vorlieben, Hirngespinste und Gelüste mehr sind.

Ab und an geben sie auch pädagogische Anweisung wie: „Wenn Sie diesen Satz lesen können, sind Sie zu nah an mir dran.“ Und sie regeln das Parken per aufgeklebter Drohung vorausschauend für eventuelle aufdringliche Hintendran-Parker.

Vor mir fährt jemand in einem himmelblauen Twingo. Es kommt mir vor, als stünde auf dem Heck seines Wagens: „Mit meinem großen Penis kompensiere ich meinen fehlenden Sportwagen.“ Ein Spruch so peinlich wie unlogisch. Der Fahrer will ja wohl seine Unanfechtbarkeit demonstrieren, was die Begierde nach dem Besitz eines Sportwagens betrifft. Fehlt einem aber etwas, so mangelt es daran, ist es zuvor abhanden gekommen oder man hätte es gerne, man braucht es dringend, benötigt es. In diesem Fall den besagten Sportwagen also. Sich überhaupt erst auf ein solches Gefährt zu beziehen, spricht ja von einem gewissen Interesse, vielleicht sogar einer Leidenschaft. Hier per se von einer, warum auch immer, unterdrückten.

Würde genannter Fahrer doch noch in den Besitz eines Sportwagens gelangen,  verlöre sich vermutlich die Dringlichkeit auf der Blechummantelung desselben die vielleicht erfreulichen, aber dennoch profanen Ausmaße seines zu Verdauungs- und Fortpflanzungszwecken am Körper befindlichen Gliedmaßes in bestürzender Offenheit kundzutun…