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Buchschnüffler
Vorsicht, Schnüffler

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wenn Dichter Dealer sind, dann sind Gedichte und Romane ihr Stoff. Stoff, an dem man sich berauschen kann. Stoff, der süchtig macht. Stoff, an dem man wunderbar schnüffeln kann. Das ist überhaupt der größte Moment, wenn man ein neues Buch öffnet. Von Jörg Wingertszahn

Kaum ist die schützende Zellophan-Hülle entfernt, schlägt man das Buch auf und steckt buchstäblich seine Nase hinein. Was für ein Erlebnis! Es geht nichts über den Geruch, ja den Duft eines frisch geleimten Buches. Ein geübter Buchschnüffler kann nicht nur die Qualität des Leims erschnüffeln, sondern ganz locker auch mehrere dutzend Papiersorten unterscheiden. Jede hat eine besondere Note. Natürlich weiß solch ein Experte auch, aus welchem Baum das Papier gemacht ist und wo der Baum gestanden hat. Ein guter Buchschnüffler ist so wertvoll wie eine „Nase“. Das sind die Experten in der Parfümindustrie, die zielsicher hunderte von Duftnoten erkennen können und seien sie noch so kompliziert miteinander kombiniert. Eine Gabe wie das absolute Gehör, nur eben beim Riechen. Da Hunde eine Million Mal besser riechen können als Menschen, sind sie eigentlich die besten Buchschnüffler. Leider begeistern sich  nur wenige Hunde fürs Lesen. Streng genommen gar keiner. Wie schade.