So kann’s gehen : Faszinierndes, nicht nur für Schienenküsser

„Immer in Bewegung“ ist nicht nur ein neues lehrreiches Buch über den öffentlichen Personennahverkehr in Saarbrücken, es ist auch ein spannendes Stück Stadtgeschichte.

Unsere Sprache ist eine Schatzkammer. Nicht von ungefähr spricht man ja von einem Wortschatz, aus dem man schöpfen kann, um schöne, böse, wichtige, unwichtige, banale, bedeutende Dinge zu formulieren.

Mein Wortschatz ist seit gestern um ein Juwel reicher: „Schienenküsser“, heißt der Neuzugang in meiner Wortschatztruhe. Ulrike Reimann hat den funkelnden Stein da reingelegt. Sie ist Leiterin der Abteilung Unternehmenskommunikation der Saarbrücker Stadtwerke. Wenn sie das Wort „Schienenküsser“ ausspricht, schwingt da nicht der Hauch von Spott mit.

Denn Schienenküsser sind im Sprachgebrauch der hauptberuflichen Straßenbahner Menschen, für die Straßenbahnen mehr sind als nur eine Möglichkeit, sich von A nach B zu bewegen. Schienenküsser sind Menschen, die die Magie spüren, die sich in diesen Ungetümen aus Stahl und Kunststoff verbirgt, die uns durch die Stadt bringen, in denen wir anderen Menschen begegenen.

Schienenküsser sind Menschen, die mehr als andere begreifen, dass die Art, wie wir uns fortbewegen, ein Stück unserer Kultur ist.

In meinen Wortschatz ist dieses wundervolle Wort in einem Satz verpackt   geplumpst. „Das ist nicht nur ein Buch für Schienenküsser.“ Das Buch, das Ulrike Reimann damit meint, hat den Titel „Immer in Bewegung“, ist im Conte-Verlahg erschienen und beschäftigt sich reich bebildert mit der Geschichte des öffentlichen Personennahverkehrs in Saarbrücken. Anlass dafür, dass sich Hans-Christian Herrmann und Ruth Bauer vom Stadtarchiv, Ulrike Reimann und Carmen Dekl Savio von den Stadtwerken sowie Markus Philipp und Marie Luise Strohm-Georg auf dieses weite Feld begeben haben, ist dass die Saarbahn seit 20 Jahren fährt und die Saarbrücker Verkehrsbetriebe sogar auf 125 Jahre Bewegung zurückblicken.

Herausgekommen ist dabei eine wundervolle Dokumentation, ein Stück Stadtgeschichte, das für alle Saarbrücker spannend zu lesen ist, nicht nur für die Schienenküsser. Aber Vorsicht, es kann eine Nebenwirkung auftreten: Man kann beim Lesen zum Schienenküsser werden.