Schlendrian rächt sich

Es hat nicht geklappt, den Bolzplatz in Fürstenhausen klammheimlich zu beerdigen. Stadtrat und Ortsrat haben Wind von der Absicht bekommen, und nun bläst Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) der Wind ins Gesicht.

SPD-Fraktionschef Erik Kuhn hat schon gefordert, Lorig möge persönlich für den entstandenen Schaden aufkommen. Der Oberbürgermeister wird wohl über diesen Vorwahlkampf-Schlenker schmunzeln, nachdem bereits 20 verspielte Fischzucht-Millionen ohne Folgen für ihn geblieben sind. Rund 70 Besucher in der Ratssitzung, in der die Stadtverwaltung die Katze aus dem Sack lassen musste, beweisen aber die Bedeutung, die Fürstenhausener diesem Bolzplatz zumessen. Und dass das nichts mit Parteipolitik zu tun hat, wird mehr als deutlich dadurch, dass Völklingens CDU-Frontfrau Gisela Rink hier Sturmspitze gegen den eigenen Oberbürgermeister spielt.

In dem Fall gibt es nur zwei Deutungsmöglichkeiten: Lorig und seine Mitarbeiter haben entweder beim Anlegen des Bolzplatzes oder bei ihrem jetzigen Einknicken buchstäblich Bockmist gemacht. Die Bolzplatz-Freunde bemühen sich nun, mit einer Demonstration vor Ort, noch das Blatt zu wenden. Doch nach jahrelang gestörter Kommunikation mit dem Anlieger, dem Lorig nun zudem einen dicken Trumpf in die Hand gegeben hat, scheint der Erfolg zweifelhaft. Es bleibt wohl nur der Ausweg, ein anderes, rechtssicheres Gelände (aber wo?) zu suchen.

Bei diesem Bolzplatz war der Bebauungsplan offenbar nicht wasserdicht. Doch solche Festsetzungen des Erlaubten und nicht Erlaubten scheinen im Rathaus manchmal Glückssache zu sein. Erinnern wir uns an die ehemalige Glashütte in Fenne. Da setzte man ein Gewerbegebiet mit "Vergnügungsstätten" fest. Wobei man nach eigenen Angaben eine Spielhalle vor Augen hatte. Später ergab sich zum Erstaunen der Öffentlichkeit, dass auch Bordelle (wie jetzt im Bau) juristisch zu den Vergnügungsstätten zählen.

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