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Kolumne So kann’s gehen
Schirm verhindert Schorle

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Ganz schön in Form, das alte Ding. Die Sonne haut ordentlich Licht raus und verlegt den Hochsommer vor in den Mai. Sie brennt auf das alte Saarburger Pflaster, als sollte es zum Grillen vorgeheizt sein.

  Meine Frau traut dem großen Auftritt des Zentralgestirns nur bedingt. Sie hängt, als Bus- und Bahnfahrerin zur Weitsicht neigend, den Regenschirm ans Tischchen im Freien.


Die Gäste des kleinen Delikatessenladens mit Weinausschank würdigen diese Vorsichtsmaßnahme mit einer Mischung aus Skepsis und Spott. Bis sich genau über uns die einzige Regenwolke weit und breit entlädt.

Fette Tropfen plumpsen in die Weingläser unserer Nachbarn. Weder das himmlisch lauwarme Wasser noch der schöne Saarburger Wein darin ergeben in der Summe eine ordentliche Schorle. Unser Steillagenriesling bleibt dank des Schirmes pur. Und meine Frau verspricht, jetzt nicht „Singing in the Rain“ anzustimmen.

Aber als das kurze nasse Intermezzo vorüber ist und die Himmelslampe wieder im Trockenen leuchtet, gönnt sie sich doch noch schelmisch einen Satz über den Nutzen ihres noch aufgespannten  Begleiters. „Ich hab’ jetzt einen Sonnenschirm.“