Salz-See verwässert Pokalkrimi

Der nervenzehrende Auftritt der Dortmunder Borussen gegen die Herthaner bewies: Fußball kann auch beim Zugucken schlank machen.

Es gibt Kollegen, die sich mit Fußball fit halten. Mittwoch für Mittwoch. Da stört kein Gramm Fett zu viel die schlanke Linie. Ich habe diesen Ballsport schon wegen seiner vielen Regeln und taktischen Finessen nie zum Hobby erkoren. Nur vor dem Fernseher komme ich nicht umhin, die Bemühungen der Branchenstars zu verfolgen. Schließlich ist die Meinige als gebürtige Dortmunderin bekanntermaßen dem BVB zugetan und kennt die Transferpläne fast so gut wie der Sportdirektor. Zum Achtelfinale lief denn auch der Fernseher. Das versteht sich doch von selbst.

Dass am Ende nicht nur die gute Laune überschäumte, war nicht geplant. Und so nahm das Unheil seinen Lauf: Als die Herren nach der regulären Spielzeit immer noch keinen Sieger ermittelt hatten, drängte sich der unterdrückte Hunger auf Rigatoni zurück ins zuvor vom Sport abgelenkte Bewusstsein. "Ich mach' schon mal das Nudelwasser heiß", sagte ich. Topf drauf, Herd an und zurück in den Pokalkrimi. Das nächste spannungssteigernde Geräusch entstammte nicht der Schiri-Pfeife. Es kam vom Herd. Ich Schussel hatte den Deckel auf dem Nudeltopf vergessen. Prompt schob sich der schäumende Inhalt mit Macht aus dem Pott und verteilte sich wie ein Salzsee auf der Herdplatte. Als alles wieder sauber war, hatte sich der Hunger verflüchtigt. Die Freude über den Borussen-Sieg tat dazu ein Übriges. Sage noch einer, dass Sportgucken nicht schlank macht. Aber im Viertelfinale bleibt der Herd aus. Ein versalzener Abend reicht.