Saarbrückerin erinnert sich an die Sommer ihrer Kindheit

Sommerferien : Duft von Gänseblümchen und nassen Freibadfliesen

Heute sind die Sommerferien zu Ende. Es bleibt die Erinnerung – auch über viele, viele Jahre hinweg.

Können Sie sich an die Sommer erinnern, die keinen Anfang und kein Ende hatten? An dieses erstaunliche Gefühl von Unendlichkeit …? Sechs Wochen Sommerferien, das bedeutete: Zeit spielt keine Rolle mehr, Zeit hört überhaupt auf zu existieren. Nicht mehr früh aufstehen, kein Terminkalender, keine Aufgaben. Alles war ein einziges Meer aus Licht und Wärme, aus blühenden Sommerwiesen, Schmetterlingen und langen, durchdösten Nachmittagen, die quasi nie in den Abend übergingen. Alles duftete nach Schwimmbad, Wassereis, Chlortropfen auf nassen Freibadfliesen und frisch geschnittenem Gras. Insekten summten, Rasenmäher brummten gemächlich vor sich hin, und manchmal knisterte die Hitze.

Obwohl man sie nie als unangenehm empfand und die Gradzahl auch ganz egal war. Die Luft auf der Haut fühlte sich weich und süß an, so als läge ein ständiger Duft von eben gebackenem Kuchen im Wind. Barfußlaufen war Gesetz, Sand zwischen den Zehen, so lange Reste von Wassereis lutschen bis sich der kleine Holzstiel fast mit aufgelöst hatte. Heute fühlt es sich an, als sei jeder Sommer so gewesen, frei und unbeschwert. Handys hatten wir keine, keine Phones, Apps und auch die ganzen anderen medialen Innovationen nicht, von denen mir gerade entfallen ist, wie sie heißen. Sie hätten zudem nur gestört, beim Schwimmen und Dösen. Und die Hände brauchte man sonst fürs Wassereis Nummer 1 und Nummer 2, parallel lutschen, das zitronige Gelbe und ein Colaeis, das gab eine perfekte Geschmacksexplosion auf der Zunge. Und abends – der seltsamerweise doch anbrach – zum Eismann, Bällchen für zwanzig Pfennig kaufen, in der Tütenwaffel … Im Prinzip konnte man sich komplett von Eis ernähren und glaubte, man hätte sich so für alle kommenden Sommer schon prima heruntertemperiert. Unfassbar, aber auch die besten Ferien gingen mal zu Ende. Sind sie heute noch so, die Sommer? Manchmal haben wir unvermutet Glück. Kann sein es liegt bloß am Duft von Gänseblümchen oder von einem Apfel oder vom Rasen, auf den eben ein kurzer Gewitterschauer niedergegangen ist, doch plötzlich weiß man es wieder: Das riecht gut, wie dieser Sommer, damals, der verdammt lang her ist …

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