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Öffentliche Jungesellen-Abschiede
Party-Mitglied wider Willen

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Feiern darf jeder, wie er will. Oder etwa doch nicht? Auch hier gilt: Die eigene Freiheit endet ganz genau dort, wo die eines anderen beginnt – ganz besonders, wenn Motto-T-Shirts im Spiel sind.

Ich würde gerne sagen, dass es einfach nicht ganz mein Fall ist. Aber es ist viel mehr als das. Ich verabscheue es aus tiefstem Herzen. Diese sturzbetrunkenen Menschen mit geschmacklosen Motto-T-Shirts, die in den Sommermonaten fast jedes Wochenende in der Fußgänger-Zone herumstolpern. Sie wollen Junggesellen- oder Junggesellinnen-Abschied feiern – und gehen damit unschuldigen Passanten wie mir tierisch auf die Nerven.



Vor kurzem war es wieder soweit. Schon von weitem sah ich eine Gruppe junger, laut lachender Frauen in pinken T-Shirts. Mein natürlicher Schutzreflex ließ mich sofort in eine andere Richtung schauen. Bloß keinen Blickkontakt aufnehmen, sonst sprechen sie dich an, dachte ich mir. Aber da war es längst zu spät. Zwei von ihnen kamen auf mich zu. Ich konnte sie aus meinem Augenwinkel erspähen und nichts mehr tun. „Entschuldigung, es Sabrina geht heiraade, wolle Sie uns vielleicht e Schnaps abkaafe?“, sagte eine der beiden. Was ich daraufhin dachte und was ich sagte, unterschied sich in erheblichem Maße. Was ich dachte darf aus Gründen des Jugendschutzes nicht gedruckt werden. Über die Lippen kam mir jedoch ein gequältes, aber trotzdem annähernd freundliches: „Nein danke, ich hab’s eilig.“

Ich ging weiter und kam – warum auch immer – ins Grübeln. Bin ich etwa der Eigenartige? Ein Miesepeter, der anderen ihren Spaß nicht gönnt? Etwa hundert Meter weiter traf ich einen alten Freund. Er sah von weitem die Gruppe und schüttelte ungläubig den Kopf. Ich sagte: „Ist zwar sonderbar, aber eigentlich kann ja jeder feiern, wie er will, oder?

Mein Freund riss die Augen weit auf und wirkte dabei wie ein Raubtier kurz vorm Angriff. Dann sagte er: „Natürlich kann jeder feiern, wie er will. Aber Leute wie die machen Leute wie mich gegen meinen Willen zum Teil ihrer Party. Und da hört’s auf.“ „Gott sei dank“, dachte ich. Er hat völlig Recht. Es hat überhaupt nichts damit zu tun, ob ich den Feiernden ihre Freude gönne oder nicht. Ich hab nur schlicht nichts damit zu tun. Und ob ich zu einer Party gehöre, entscheide ich dann doch lieber selbst.

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