Saarbrücken: Oscar Orths Grab wird abgeräumt

Saarbrücken : Oscar Orths Grab wird abgeräumt

Diese Woche hat der Saarbrücker Stadtrat Größe gezeigt. Er hat die Stadtverwaltung aufgefordert, den NS-Arzt Oscar Orth aus der Liste der Ehrenbürger zu streichen. Und er hat das einstimmig getan.

Dabei schien Oscar Orth schon eine ganze Weile dem Vergessen geweiht. Das Ensheimer Straßenschild mit seinem Namen wurde abgeschraubt. Der Brunnen, der seinen Namen trug, wurde ebenfalls umbenannt. Davor gab es Diskussionen, Widerstand gegen die Tilgung des Namens. Aber schließlich herrschte in der Politik Einigkeit: Einen Mann zu ehren, der als Leiter des damaligen Landeskrankenhauses in Homburg mitverantwortlich war für etwa 2350 Zwangssterilisationen und Krankenmorde in der NS-Zeit, das geht nicht. Das Kapitel schien beendet. Bis im September durch einen fassungslosen Bürger, der sich an unsere Redaktion wandte, bekannt wurde, dass die Stadt das verwilderte Grab von Oscar Orth 61 Jahre nach seinem Tod herrichtet. Was wiederum damit zusammenhing, dass er noch in der Liste der Ehrenbürger steht. Dort soll er auch stehen bleiben, schreibt uns ein Ensheimer, der sagte, er spreche für viele Menschen aus dem Ort. Die Saarbrücker, war seine Botschaft, sollen sich aus Ensheimer Angelegenheiten raushalten.

Der Stadtrat hat sich nicht rausgehalten, auch die Stadtverordneten nicht, die in Ensheim gewählt wurden. Und die Stadtverwaltung  teilt mit: „Wir werden diesen Beschluss umsetzen und in dem Zusammenhang auch Orths Grab abräumen.“

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