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Kolumne Unsere Woche
Opferschützer bügeln Versäumnisse des Staates aus

Von Frank Kohler

Meine Zahl der Woche ist die 138. Drei Ziffern, hinter denen sich Tragödien verbergen. So viele Frauen und Männer aus dem Regionalverband wandten sich voriges Jahr an die Opferschutzorganisation Weißer Ring. Das sagte der Leiter der Außenstelle Saarbrücken, Werner Kaspar, als er am Dienstag die 2017er-Bilanz vorstellte.



Zwar war die Zahl der Betroffenen etwas niedriger als 2016. Damals halfen die Ehrenamtlichen 147 Opfern von Straftätern. Aber der Beratungsbedarf war im vergangenen Jahr mindestens genauso groß für beraubte, bestohlene, vergewaltigte Menschen.

 Kaspar und seine 17 Ehrenamtlichen Mitstreiter im Regionalverband setzen sich viele Stunden mit den Folgen einer Straftat und den Betroffenen auseinander. Sie wollen ihnen gerecht werden und helfen, wo es sonst keiner täte. Unfassbar, dass Angehörige von Mordopfern die teure Tatortreinigung selbst bezahlen sollten – und damit die Reinigung der eigenen Wohnung, wo der Mord passiert war.

Nur der Weiße Ring half den Hinterbliebenen.   Für die Organisation ein Grund mehr, auf Lücken im Opferschutz hinzuweisen. Jahr für Jahr. Dass es diese Lücken immer noch gibt, ist ein Skandal.