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Nullsummenspiel mit hohem Einsatz

Unsere Woche. Doris Döpke

Finanzinvestoren sind Profis im Grundstücksgeschäft. Diese "Heuschrecken" fallen überall ein, wo Profit winkt - aber wenn Gewinn-Hoffnungen sich nicht erfüllen, ziehen sie rasch weiter. In Völklingen bereitet jetzt die Luxemburger Fondsgesellschaft Patron Dieter II ihren Abflug vor. Sie verliert Geld dabei: Flächen rund um den Ex-Kaufhof hat sie viel teurer erworben, als sie sie an die Stadt verkaufen kann. Ein paar Millionen abzuschreiben, dürfte Patron Dieter II freilich nicht weh tun. Wer mit Milliarden jongliert, zahlt so etwas quasi aus der Portokasse.

Die Stadt nicht. Zwar kann sie, sofern der Rat zustimmt, ihre Mitte zu moderatem Preis erwerben. Fördergeld wird ihr den Ruinen-Abbruch erleichtern. Doch 1,5 Millionen Euro für den Kauf plus mindestens 500 000 Euro für den Abriss muss sie irgendwie aus dem klammen Haushalt zaubern. Sie tauscht damit Ruinenlandschaft gegen Brachfläche ein; für die Gestaltung und Belebung der Innenstadt ist noch nichts gewonnen.

Unterm Strich gerechnet, haben auch bisherige Aktionen keinen Gewinn gebracht. Neues und Saniertes, so weit es denn belegt ist, hat anderswo Lücken gerissen. So stehen nach dem Umzug einer Bank ins Völklinger Carré, von der Rathausspitze als Erfolg gefeiert, die früheren Bank-Räume am Markt leer. Auch die "Jugendstilhäuser" in der Rathausstraße beherbergen vorwiegend "Umsiedler". Ein Nullsummenspiel, jedoch mit hohem Einsatz: Teure Belebung fürs Völklinger Herz geht auf Kosten anderer Stadt-Quartiere.

Die Stadtmitte hat, buchstäblich, zentrale Bedeutung. Doch sie zu fördern, bringt anderen Vierteln Erosion - bitter, aber unvermeidlich. Stadtentwicklung in Völklingen heißt, Schrumpfung zu steuern, statt sie schönzureden. Denn Stadtentwicklung kostet viel Geld - und davon darf Völklingen , im Gegensatz zu "Heuschrecken", keinen Cent in den Sand setzen.