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Nach 10 Jahren ist nun Schluss mit "Saarbrücken für Fortgeschrittene"

Abschied : Wenn Dinge anfangen, Geschichten zu erzählen

Im Februar 2008 wurde in dieser Zeitung die erste „Saarbrücken für Fortgeschrittene“-Kolumne gedruckt. Nach gut zehn Jahren ist es Zeit, einen Punkt zu machen.

Manchmal wirken Dinge, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, wie Teile einer Geschichte. Manchmal hat derjenige, der diese Dinge zusammengebracht hat,  überhaupt nicht vorgehabt, eine Geschichte mit ihnen zu erzählen. Die Geschichte entsteht aus Versehen und vielleicht auch nur im Kopf eines einzigen Betrachters.

Manchmal begegnen einem solche Geschichten an Orten, an denen man sie nicht erwartet hat. Im Keller neben den Toiletten einer Pizzeria am St. Johanner Markt zum Beispiel. Eine junge Frau wartet mit gepacktem Koffer auf dem Beifahrersitz eines Autos. In ihrem Blick kämpfen Erwartung und Enttäuschung miteinander. Der Anruf, auf den Sie wartet, das muss ihr dämmern, wird nicht kommen. Und der Beifahrersitz wird wohl leer bleiben. Das Telefon, das vor ihr hängt, wird nämlich nie mehr klingeln. Auf der Münzanzeige sind noch D-Mark-Symbole aufgedruckt. Die Frau ist zu quälender Ungewissheit verurteilt, zum Warten bis in alle Ewigkeit verdammt. Oder bis zu dem Tag, an dem im Keller der Pizzeria renoviert, das Gemälde mit der Frau oder das alte graue Clubtelefon der Telekom, das daneben hängt, entfernt werden.
Manchmal lassen Menschen Dinge an ihrem Platz, weil sie nicht stören, aber ihr Entfernen mit Arbeit oder unschönen leeren Flecken verbunden wäre. Manchmal auch einfach aus Gewohnheit – selbst dann, wenn Dinge längst ihren Sinn verloren haben.
Manchmal verabschieden sich Menschen aber auch ganz bewusst von Dingen. Ich mich zum Beispiel von dieser Kolumne, in der ab und zu Dinge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hatten, ganz bewusst zu kleinen Geschichten wurden. „Saarbrücken für Fortgeschrittene“ wird es ab dem neuen Jahr nicht mehr geben. Nach gut zehn Jahren mit dieser Kolumne wird es Zeit zum Renovieren.

An guten Geschichten für diese Zeitung bin ich weiterhin interessiert. Sie erreichen mich in der Gutenbergstraße 11 - 23, 66103 Saarbrücken, oder per E-Mail unter m.rolshausen@sz-sb.de