Mudda und Technik!

Der Nachwuchs hat SZ-Redakteurin Michèle Hartmann aus einer misslichen Lage befreit.

Kaum ist am Morgen der Kaffee gebrüht, erfolgt freudig der Gang zum Laptop, um nachzuschauen, was es Neues gibt. Heute aber hat er zunächst eine kleine Abreibung verdient. Denn Bildschirm und Tastatur müssen gereinigt werden. Und so geht's mit dem feuchten Lappen ans Werk. Upps, was ist denn das auf einmal? Hat sich die Schrift doch auf die Seite gelegt. Welche Taste hab ich da berührt? Keine Ahnung, ich beginne mit der Fehlersuche. Natürlich muss ich den Kopf stark zur Seite neigen, weil ich sonst nichts lesen kann. Doch alle Bemühungen enden kläglich. Es ist Sonntag, und der persönliche Administrator schläft noch in seinem Zimmer unterm Dach. Ich schicke ihm schon mal eine Nachricht aufs Handy, das er übrigens gestern wieder in Gang gesetzt hat: ,,Der Laptop macht ganz dumme Sachen. HILFE!!!!!". Keine Reaktion. 15 Minuten später: ,,Das Ding macht immer noch dumm." Keine Reaktion. ,,Hast du denn kein Mitleid mit deiner Mama, du hartherziges Geschöpf?" Das hat dann doch gefruchtet. Der Nachwuchs kommt die Treppe herunter und sagt das, was er immer sagt, wenn ich grobmotorisch technisches Gerät bediene: ,,Oh Mudda, was haschde dann doo widda geschafft?" Es folgt die Reparatur, sie ist mit einem Tastendruck erledigt. Schon sind Nachrichten aus aller Welt wieder lesbar. Da heißt es immer, die Jugend von heute sei unmöglich. Unwissend, ungebildet, unbrauchbar.

Doch was mache ich bloß, wenn er mal auszieht? Den Garten wieder selber, jemanden suchen, der Lampen repariert, schwere Sachen durchs Haus tragen, Nägel in die Wand schlagen - schöne Aussichten. Am meisten wird mir das ,,Oh, Mudda" fehlen.