Mitteilung will gelernt sein

Da stehe ich also an der Kasse und bin in meine Einkaufstüte vertieft, als der Mann hinter mir nach einer Zigarettenpackung greift, sie aufs Transportband legt und grinsend sagt: "Ah, diesmal also das kranke Auge." Er meint offensichtlich das abschreckende Motiv auf der Zigarettenschachtel.

Sein seltsames Grinsen - irgendetwas zwischen düster und lebensmüde - soll die Kassiererin offensichtlich zu einer bestätigenden Reaktion bewegen. Doch die Kassiererin schaut nur etwas irritiert. Dann legt er nach: "Ja, normalerweise bekomme ich immer die mit dem Loch im Rachen." Er betont die Worte so, als würde er gerade über seine aktuelle Stickersammlung sprechen. Die Kassiererin nickt und schiebt die Packung schnell übers Band. Ich denke mir: "Bei dem hat das mit der Abschreckung ja prima geklappt."

Naja, vielleicht ist der gute alte Mann ja nur selbstironisch. Manchmal haben Menschen eben das Bedürfnis, ihre Gedankenwelt den Mitmenschen unaufgefordert mitzuteilen. Das muss auch nicht immer verstörend sein. Neulich hat mich ein Unbekannter in der Stadt völlig unerwartet gefragt, ob ich ihn umarmen könnte. Er wirkte gepflegt. Ich tat es. Und so schräg sein Ansinnen mir auch vorkam: Irgendwie fand ich es sympathisch.