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Mir geht es so wie Toni Kroos

So kann's gehen. Der Lebensstandard entwickelt sich umgekehrt proportional zum Gehalt, sagt SZ-Redakteur Alexander Manderscheid. Alexander Manderscheid


Falls ihn jemand nicht kennt: Toni Kroos ist Profifußballer und verdient ein Heidengeld. Er verdient 2300 Euro in der Sekunde. 10 Sekunden Toni Kroos sein, und ich hätte ein paar Sorgen weniger. Mein Gehalt liegt nämlich dem eines Obdachlosen näher. Aber trotzdem ist mein Lebensstandard dem von Toni Kroos ähnlicher. Wir beide werden in diesem Winter nicht frieren, der Obdachlose wohl schon. Toni Kroos geht heute Abend womöglich Sushi essen, und ich mache das vielleicht auch, obwohl ich gerade pleite bin. Und dabei essen wir vielleicht sogar das gleiche, nur er muss mehr zahlen.

Würde Toni Kroos hier plötzlich reinkommen und müsste mit mir den Tag verbringen, ginge er am Abend wieder rauß, und wir beide w ürden uns denken: "War ja gar nicht so schlimm, war nur ein bisschen arrogant der Typ mit seinem blöden Musikgeschmack." Der Obdachlose würde sich denken, "Wenigstens gab's Kaffee." Halt, wobei ich mir das wahrscheinlich auch denken würde.

Selbst obdachlos werden, kann schnell passieren. Aber da haben wir schon die beruhigende Seite an der ganzen Geschichte: Man muss gar nicht mehr neidisch sein. Die Hauptsache ist, man verdient überhaupt etwas. Denn je mehr es wird, umso unwichtiger ist es, dass es mehr geworden ist. Also immer cool bleiben. Denn, und das Ende muss jetzt mit dem Anfang nicht unbedingt etwas zu tun haben: Stil kann man sich mit der vielen Kohle ohnehin nicht kaufen.

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