Mein Sommer mit Bluetooth

SZ-Redakteurin Susanne Brenner sinnt auf Rache.

Meinung:

Mein Sommer mit Bluetooth

Ein schöner, sonniger Herbstvormittag am St. Johanner Markt. Wenige Passanten sind unterwegs. Einige sitzen in Decken gehüllt im Freien und schlürfen ihren Kaffee. Ruhig ist es.

Bis sich aus der Ferne dumpfe Bässe nähern, lauter werden und schließlich ein wummernder Diskotheken-Lärm über den Marktplatz fegt. Was ist da los? Haben sie die Christopher-Street-Day-Parade in den Herbst verlegt? Veranstaltet die Stadt ein Open-Air-Konzert, von dem ich noch nichts weiß?

Ach was! Es sind einfach nur drei halbwüchsige Jungs, die einen auf cool machen. Und dafür braucht es natürlich einen so genannten Bluetooth-Lautsprecher. Das sind handtaschenkleine Geräte zum Umhängen, mit denen man die Musik beispielsweise vom Smartphone drahtlos über den Lautsprecher jagen kann. Dank der in diesem Fall beklagenswerten Fortschritte der Technik haben diese kleinen Geräte eine so gewaltige Kraft, dass man damit problemlos ein Fußballfeld beschallen kann.

Ein Effekt, den ich im Sommer bereits öfter bewundert habe. Beim versuchten Ausspannen am Losheimer Stausee etwa trafen wir auf ein paar technisch hochgerüstete Mädchen. Die waren so überzeugt von der in meinen Ohren eher zweifelhaften Qualität ihrer Lieblingsband, dass sie ihre Mini-Anlage sogar mit ins Tretboot nahmen. Mit dem Ergebnis, dass wir anderen - und wir waren viele - plötzlich mitten in einer Freiluft-Disco saßen. Ich war tatsächlich kurz versucht, rauszuschwimmen und die Mädels samt Bluetooth-Box in den See zu schmeißen.

Im Saarbrücker Totobad und wahrscheinlich auch in anderen Freibädern ist es ja sowieso nur noch Glücksache, wenn man mal ein Plätzchen erwischt, das nicht von mindestens drei Seiten beschallt wird. Besonders erhebend ist es, wenn man versehentlich sein Handtuch an der Schnittstelle verschiedener Musikgeschmäcker ausbreitet. Da hilft dann nur noch Flucht. Oder selber Krach machen.

Ich überlege jetzt, mir auch so ein Bluetooth-Gerät zuzulegen. Es gibt doch auch spezielle Hörgeräte, die Lärm neutralisieren, indem sie selber Schall erzeugen. Also quasi das machen, was meine Oma immer "Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben" genannt hat. Vielleicht hilft das ja auch gegen diese Taschen-Discos. In jedem Fall weiß ich schon, was für Musik ich auswählen werde: den Walkürenritt aus Richard Wagners "Ring des Nibelungen" und ein bisschen was aus dem "Fliegenden Holländer". So richtig was mit Schmackes. Das wird die jungen Leute bestimmt freuen, wenn ich mit einem fröhlichen "Wagalaweia" ihre Freiluft-Party sprenge ...

Mehr von Saarbrücker Zeitung