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Märchen kommen der Realität manchmal erschreckend nahe...

Kolumne : Die Sache mit Dornröschen

Märchen kommen der Realität manchmal erschreckend nahe...

Ich muss die Tage viel an dieses Märchen denken. Verzauberte Spindel, hundertjähriger Schlaf, Dornenhecke, ein Prinz, der die schlummernde Schöne wachküsst . . . kennt man ja, gell. Mich treibt allerdings ein anderes Detail der Geschichte um – der Grund für dieses ganze Drama.

Ich rede von den Tellerchen. Sie erinnern sich? Das Königspaar will zur Feier der Geburt Dornröschens die Feen des Reiches einladen, hat aber nur zwölf goldene Gedecke, obwohl es derer 13 dieser Damen gibt. Ups. Die übergangene Fee nimmt die Sache nicht besonders gut auf, mit dem bekannten Ergebnis.

Ich habe mich ja immer gefragt, warum sich ein König nur zwölf goldene Teller leisten kann. Witzig, was einem so auffällt als Kind. Jetzt als Erwachsene bin ich plötzlich mit einem ganz ähnlichen Problem konfrontiert. Stichwort Corona. Zehn Personen dürfen sich zu Weihnachten treffen. Man ahnt es: Wir, das heißt meine Familie, sind nun aber leider elf. Ein Problem, das mich tagelang quälte. Bis schließlich ein vierköpfiger Teil der Sippe beschloss, dieses Jahr zur Sicherheit fernab der nächsten Verwandtschaft zu feiern. Ein Happy End wie im Märchen also. Oder? Nicht ganz. Denn die viel wichtigere Frage, ob man soll, was man (aktuell noch) darf, ist damit leider noch nicht beantwortet.