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Madame wird geliftet und geht auf eine neue Reise

Madame wird geliftet und geht auf eine neue Reise

Andreas Bucklisch folgt seinem Herzen. Eine alte Dame wird geliftet. Albrecht Stuby ist gestern 71 Jahre alt geworden. Am Montag startet das 37. Max-Ophüls-Preis-Filmfestival. Und zusammen ist das alles eine wundervolle Antwort auf die immer wieder mal gestellte Frage: Neben all dem fiesen Zeug, neben dem Horror aus dem Rathaus und aller Welt, neben all den Sachen, die uns das Fürchten lehren oder die Zornesader schwellen lassen - könntet ihr Zeitungsleute nicht mal etwas Schönes schreiben?



Können wir. Also: Vor etwa 30 Jahren hat Andreas Bucklisch seine erste Salatsoße zusammengerührt. Jetzt, mit 38 Jahren, ist daraus, wie er sagt "eine Herzenssache" geworden. Er eröffnet in der Mainzer Straße ein Lokal, in dem es vegetarische und vegane Speisen und selbst gemachte Kuchen gibt. "Janoszek" nennt er den Laden, - und er ergänzt den Namen seines Café-Bistros mit "im Haus Madame".

"Aus Respekt", wie er sagt. Denn Andreas Bucklisch, der seit rund sechs Jahren zusammen mit Stefan von Uffel-Gemballa das "Kurze Eck" im Nauwieser Viertel betreibt, belebt ein Lokal neu, das in Saabrücken Gastronomiegeschichte geschrieben hat: Die ehemalige "Madame", einst das Zentrum der Homosexuellenszene in unserer Stadt.

Die "Madame" ist nun schon eine Weile zu. Die Geschichten, die sich dort abgespielt haben, werden aber immer noch gerne erzählt - zumindest einige. Zum Beispiel die von einem Topf, in dem Margarete Bardo, die damalige Inhaberin der "Madame" in den Anfangsjahren des Saarbrücker Filmfestivals Künstlern und Regisseuren kostenlos Suppe gekocht hat. Oder die Geschichte von einem Regisseur aus der DDR, der im beliebten Festivaltreff mit einer jungen Saarbrückerin versackt ist und damit seine Bewacher, für die er als verschwunden galt, in Panik versetzt hat. In der Madame sind sich auch zwei kreative Saarbrücker - der Erfinder des Filmfestivals, Albrecht Stuby, und Ewald Blum, heute bekannt als Elfriede Grimmelwiedisch - zum ersten Mal begegnet.

Ein Ort also, sagt Andreas Bucklisch, vor dem man wirklich Respekt haben sollte. Er will dort mit seiner "grünen Küche" etwas Neues machen, die alte "Madame" also etwas liften, sie zu einem Ort machen, an dem man essen, oder einfach nur Zeitung lesen kann. Ob man sich irgendwann Geschichten aus dem "Janoszek" erzählt? "Mal schauen, wohin die Reise geht", sagt Andreas Bucklisch. Beginnen soll sie mit der Eröffnung des Lokals am Montag, also an dem Tag, an dem wieder ein Filmfestival startet.