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Alles nur Fubbes
Lost in translation

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wie lange man braucht, um eine Banane zu essen? In Malaysia tun die Menschen das. Einzigartige Wörter gibt es aber auch im Saarland. Sehen Sie selbst. Von Jörg Wingertszahn

Wussten Sie, dass die Finnen ein Wort haben für die Entfernung, die ein Rentier bequem zurücklegen kann, bevor es eine Pause braucht? Ich auch nicht. „Poronkusema“  lautet der Ausdruck. Er beschreibt eine Strecke von ungefähr 7,5 Kilometern. Erst dann macht das durchschnittliche Rentier schlapp und muss sich ausruhen. Poronkusema ist nicht nur ein schönes Wort. Es ist vor allem ein Wort, das es nur im Finnischen gibt. Und man kann es eigentlich nicht übersetzen. Es braucht schon einen ganzen Satz, um es im Deutschen wiederzugeben.


Einzigartige Wörter gibt es natürlich auch in anderen Sprachen. Einen Mann, der sich beharrlich weigert, sein Hemd in die Hose zu stecken, nennt man im karibischen Spanisch „cotisuelto“. Bis gestern war mir nicht klar, dass ich von Zeit zu Zeit auch so ein cotisuelto bin, aber nur im Sommer, wenn es heiß ist. Eigentlich kein Wunder, dass das Wort in der Karibik erfunden wurde. Poetischer sind da die Waliser. „Hiraeth“ nennen sie das Heimweh nach einem Ort, an dem man nicht zurückkehren kann oder auch nach den verlorenen Orten der Vergangenheit oder den Orten, die es eigentlich nie gab. Im Malaiischen gibt es ein Wort, das die Zeit beschreibt, die man braucht, um eine Banane zu essen. „Pisanzapra“ nennen sie das.  Ich frage mich, wie lange das in Wirklichkeit ist. Schließlich haben wir nicht alle dieselbe Bananenesser-Geschwindigkeit.  Außerdem sind unsere Euro-Bananen viel kleiner als die in Malaysia. Wir dürften also schneller fertig sein.

Wo wir gerade in Asien sind: Wenn die Indonesier von „jayus“ sprechen, meinen sie damit einen Witz, der so schlecht ist, dass man gar nicht anders kann, als zu lachen. Mir fallen da spontan einige ein, aber die will ich Ihnen an dieser Stelle ersparen.

Wir Saarländer stehen Finnen, Walisern und Malaiien übrigens in nichts nach. Wir haben ja auch einige einzigartige Wörter. „Fubbes“ ist mein Lieblingswort.  Das braucht nicht mal einen Artikel, schließlich sagt man nicht der oder das Fubbes. Fubbes reicht und jeder weiß, was gemeint ist. Kann man Unsinn schöner beschreiben?