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Kolumne Saarbrücken für Fortgeschrittene
Leuchtturm meines Herzens

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Der Januar ist ein Monat der Ungewissheiten. Die Gedanken umkreisen die Frage, ob denn nun die Stadtautobahn schiffbar wird. Und ob sich ein Umsteigen auf Amphibienfahrzeuge lohnt.

Was für ein spannender Monat der unwirtliche Januar doch ist...Vor allem für diejenigen, die in unsere schöne Landeshauptstadt pendeln. Wie aufregend sich jedes Frühstück gestaltet, wie hingerissen man den Verkehrsnachrichten lauscht. Alles dreht sich um die existentielle Frage: Kommt es jetzt, das Hochwasser oder doch erst morgen oder vielleicht noch später? Wie wird mein Weg zur Arbeit aussehen? An welcher Abfahrt soll ich unsere gute Stadtautobahn stautechnisch am besten verlassen? Werde ich Stunden brauchen, bis ich an meinem Ziel angelangt bin? Werde ich bis tief in die Nacht arbeiten müssen, um meine Verspätung wettzumachen?


Wäre es nicht besser, sich gleich ein Amphibienfahrzeug anzuschaffen und – so wie einst James Bond in „Der Spion, der mich liebte“ mit seinem U-Boot-Lotus – tauchend auf Saarbrücken zuzusteuern? Welche Stadt hat solche Abenteuer zu bieten? Können da New York, Rio, Tokio mithalten?

Nein! Kaum dass man morgens die Augen aufgeschlagen, sich einen ordentlichen Kaffee aufgebrüht (ja, von Hand, ohne Maschine) und zwei Brötchen mit Frischkäse einverleibt hat, werden von einem schon kognitive Höchstleistungen verlangt. Und das alles haben wir Saarbrücken zu verdanken!

Seiner wunderbaren Lage am Fluss, seiner Stadtautobahn ganz nah an ebendiesem und seiner ungebrochenen Anziehungskraft, die uns täglich zwingt diesen Leuchtturm aller wassernahen Städte zu besuchen. Gold ist das wert, so gefordert zu werden. Nicht bloß körperlich, auch emotional. Und prompt auf Schlüsselreize reagieren zu können, die in unauffälligen Wörtchen wie „Umgehung“, „Sperrung“ und „abschleppen“ stecken mögen. Ich danke meiner Stadt wirklich, aufrichtig und von Herzen, dass sie mich so fürsorglich auf Trab hält, mich nicht einrosten lässt und jeden Morgen aufs Neue dazu anspornt, alles aus mir rauszuholen. Auch wenn ich mich insgeheim ein kleines bisschen nach trockenen Zeiten sehne, wo uns Wörter wie „Schauer“, „Nieselregen“ und „nass“ nur noch wie ein fernes, kaum wahrnehmbares Rauschen in den Ohren summen werden. Trotzdem, nichts für ungut: „Danke, Saarbrücken, ich liebe dich!“