Kurz Käse holen hat gereicht

SZ-Redakteur Alexander Manderscheid ist vergangene Woche Opfer eines Kennzeichen-Diebes geworden.


Nach fünf Jahren habe ich mein Auto zum ersten Mal nackt gesehen. Irgendjemand hat ihm die Nummernschilder ausgezogen. Einmal kurz Käse holen im Supermarkt hat dem Kerl draußen gereicht, mein hinteres Kennzeichen aus der Halterung rauszubrechen, um damit noch Schlimmeres zu tun.

Schnöder Tankbetrug wahrscheinlich, nur mal, um hier niemanden in die Romanwelt von T.C. Boyle zu schicken. Von wegen außen vor sein, sich durchkämpfen, Überfall auf das Spießertum oder so. Aber wahrscheinlich auch nicht brav sitzen wie ich im Polizeizimmer, in das keine fünf Nummernschilder hintereinander passen, zuhause bis in die Puppen nach dem Fahrzeugbrief suchen oder im Morgengrauen in der Zulassungsstelle anstehen. Und dann der Schmerz, mein geliebtes Kennzeichen aufgeben zu müssen, unter dem ich bis an mein Lebensende fahren wollte. Das steht jetzt auf der Fahndungsliste, Freundchen, neue blitzen an meinem Auto wie ein schneeweißes Wäsche-Set.

"Mir ist das auch schon mal passiert", hat der Sachbearbeiter in der Zulassungsstelle gesagt und mein (Zweit-)Wunschkennzeichen eingetippt. Immerhin, es war noch frei. Und wenn es wieder mal soweit ist, habe ich noch ein weiteres im Kopf. Man muss im Leben auf alles vorbereitet sein.

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