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Kultur ist ein Standortvorteil!

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ARRAY(0x88ab878) FOTO: Robby Lorenz
Unsere Woche. Der Verkehrsentwicklungsplan einer Stadt geht alle an: Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer... In der Saarbrücker Stadtverwaltung ist man sich dessen bewusst und hat sich für eine groß angelegte Bürgerbeteiligung entschieden. Ilka Desgranges

Einen Kulturentwicklungsplan gibt es in Saarbrücken nicht. Wie überhaupt kaum jemand in dieser Stadt darüber spricht, dass man mit Kultur eine Stadt entwickeln kann. Auch darüber nicht, dass Kultur beim Strukturwandel hilft. Das Ruhrgebiet hat es bewiesen, Saarbrückens französische Partnerstadt Nantes auch.

Vielleicht sollten die, die das Kulturdezernat gerade auflösen und die Aufgaben in der Stadtverwaltung neu aufteilen, mal ein wenig reisen. Das bildet bekanntlich, lässt Erkenntnisse reifen. Etwa diese: Kultur ist ein Standortfaktor, vielfach sogar ein Standortvorteil. Nutzen kann man ihn allerdings nur, wenn man erkennt, dass man Kultur in einer Stadt nicht nebenbei betreiben kann. Ein Kulturdezernent muss vieles können: verwalten natürlich, aber auch vernetzen, vermitteln, er muss wissen, dass Kultur ein wichtiger Faktor ist für das Stadtmarketing und auch für Tourismus. Wer in Saarbrücken für Kultur verantwortlich ist, muss sich auch gut in der Großregion bewegen können. Die birgt Vorteile, ist jedoch nicht immer leicht kulturell zu erschließen und zu verknüpfen.

Saarbrücken hat eine recht vielfältige, eine lebendige Kulturszene, hat künstlerische Hochschulen, hier leben Künstler von Rang. Einfluss hatten sie in der bisherigen Diskussion um das Kulturdezernat wenig. Die rot-rot-grüne Mehrheit fasst einen Entschluss und bleibt dabei. Protest und fundierte Argumente lässt sie an sich abperlen. Oder wie es ein Besucher der von der SPD organisierten Diskussion zusammenfasste: "Kultur trifft Beton". Die Debatte um das Streichen des Kulturdezernates wurde in dieser Woche durch eine "Empfehlung" der Oberbürgermeisterin quasi beendet. Die Entscheidung des Stadtrates wird wohl nur noch Formsache sein. Sie fällt übrigens am 24. März, dem Tag, an dem die kulturpolitische Gesellschaft eine große Veranstaltung zum Kulturdezernat plant.

Wenn die Fachleute reden, haben die Kommunalpolitiker ihre Entscheidung gefällt. Es mangelt offenkundig nicht nur an der Erkenntnis, wie wertvoll Kultur ist, es fehlt auch an Wertschätzung für Kulturtreibende.