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Krisen lassen sich nicht weglächeln

Krisen lassen sich nicht weglächeln

Entenbrustfilet mit Waldorfsalat. Vorweg Blinis mit (Forellen-)Kaviar, als Dessert Sahneeis - wer das wohl als "festliches Weihnachtsmenü" empfiehlt? Ein Geflügelzuchtbetrieb aus der Region? Ein Restaurantkoch?

Nein, weit gefehlt: Die Rezepte stehen im Kundenmagazin der Völklinger Stadtwerke , das jüngst in allen Briefkästen der Mittelstadt landete.

Kein Fisch, nirgends. Obwohl Doraden, Wolfsbarsche und Kingfish-Steaks aus Völklinger Produktion, kulinarisch gesehen, höchst festmenütauglich sind - und obwohl den Stadtwerken alles daran gelegen sein müsste, Fische aus der Fürstenhausener Meeresfischzuchtanlage unter die Leute zu bringen. Denn der katastrophal schlechte Vertrieb bei der Stadtwerke-Tochter Meeresfischzucht Völklingen (MFV) sorgt für tiefrote Zahlen und bedroht nach wie vor die Muttergesellschaft.

Aber dass es die MFV überhaupt gibt und dass die Stadtwerke heftigst kriseln, kann man dem bunten 16-Seiten-Heftchen nicht entnehmen. Brennende Kundenfragen - etwa: Sind Voraus- und Rückzahlungen für Strom, Gas und Fernwärme sicher? - kommen nicht vor. Heribert Henner, Stadtwerke-Geschäftsführer Vertrieb, lobt nur lächelnd seinen Gas-Tarif und wünscht "besinnliche Weihnachtszeit". Was Völklingens Stadtrats-Linke auf die Barrikaden bringt. Henners gute Wünsche seien angesichts der Krise "reiner Hohn" und das ganze Magazin "Augenwischerei", wettert Fraktionschef Klaus Degen.

Wo er Recht hat, hat er Recht: Krisen kann man nicht weglächeln. Auch nicht wegschweigen. Die SZ hat Wolfgang Bintz, Bürgermeister und derzeit Stadtwerke-Geschäftsführer, gefragt, ob Kundenzahlungen sicher seien - bisher kam keine Antwort.

Ob Völklinger Fische auf Völklinger Weihnachtstafeln die Stadtwerke retten? Friede-Freude-Eierkuchen-Verlautbarungen, die die Wirklichkeit weiträumig umgehen, retten die Stadtwerke jedenfalls garantiert nicht.