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Kolumnist Tom Peterson mit Anmerkungen zu Graffiti und Kommunalpolitik

Unsere Woche : Von angebrannten Ideen und Naschkatzen

Mit seinem Beschluss, legale Graffiti-Flächen in der Stadt zu erhalten, hat der Saarbrücker Stadtrat eine richtige Entscheidung getroffen, wie unser Autor findet. Nur war der Zeitpunkt der Entscheidung alles andere als optimal.

Mit Ideen ist es manchmal wie mit Keksen. Sie brauchen erst einmal eine gewisse Zeit, ehe sie gut werden. Und der Beschluss im Saarbrücker Stadtrat, sich für den Erhalt von legalen Graffiti-Flächen in der Stadt einzusetzen, ist in der Tat eine gute Idee. Schließlich tragen sie zur kulturellen und künstlerischen Vielfalt einer Stadt bei. Und ganz nebenbei können so Schmierereien an diesen Stellen verhindert werden. Denn auch der noch so kleinste Sprayer kennt wohl das alte Credo: Gute Bilder dürfen nicht einfach so übermalt oder verändert werden.

Groß geholfen hat diese Streetart-Weisheit dem Graffiti-Kunstwerk unter der Wilhelm-Heinrich-Brücke bekanntlich wenig. Im November ließ die Stadtverwaltung die Fläche grau übermalen, nachdem aus dem Innenministerium der Hinweis kam, dass die Graffiti-Fläche – die die Stadt zuvor selbst offiziell freigegeben hatte – gegen EU-Förderrichtlinien verstoße. Dass die Stadt nun Schadensbegrenzung betreibt, ist richtig. Doch ist es auch hier wie bei den Keksen – wenn sie erst einmal angebrannt sind, haben sie einen etwas faden Beigeschmack. Auch wenn sie noch so gut vom Grundrezept waren. Und was vorher wohl nur die wenigsten vermutet hätten: CDU, FDP und Grüne haben sich bei der Sache zudem als kleine Naschkatzen entpuppt. Denn der Antrag der Jamaika-Koalition, dass die Stadtverwaltung prüfen soll, welche städtischen Flächen man den lokalen Graffiti-Künstlerinnen und -Künstlern in Zukunft zur Verfügung stellen könnte, wurde eine Woche zuvor bereits in ähnlicher Form von den Ratsmitgliedern von „Die Fraktion“ („Die Partei“) eingebracht. Wer nun von wem tatsächlich die Kekse vom Teller gestohlen hat, dürfte für die Streetart-Szene in der Landeshauptstadt jedoch eher zweitrangig sein. Hauptsache die eigenen Kunstwerke werden dieses Mal nicht wieder übermalt.