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Kolumnist Nico Tielke zollt männlichen Tauben Respekt

Kolumne So kann’s gehen : Die Show der schwindelfreien Tauben

Die Rückkehr nach Saarbrücken hat sich gelohnt. Nicht zuletzt wegen verliebter Täuberiche, die kein Risiko scheuen.

Mit der Inneneinrichtung ist das so eine Sache. Haben die Möbel im WG-Zimmer erst mal ihren Platz gefunden, bleiben sie in der Regel auch dort stehen. Egal ob der Schreibtisch in einer dunklen Nische ein Schattendasein fristet – oder die bequeme Couch vom Opa vor der Heizung dafür sorgt, dass sich der Raum nur gemächlich erwärmt. So eine Zwischenmiete kann da schon erfrischend sein. Als ich nach über einem hal­ben Jahr in Homburg in mein Saarbrücker Zimmer zurückkehrte – in dem in der Zwischenzeit gleich zwei Untermieter gehaust hatten – stand die Couch plötzlich unter der Dartsscheibe. Das hatte ich mich vorher trotz einer gewissen Übung mit den drei Pfeilen nicht getraut. Und der Schreibtisch war vor dem Fenster. Ein Schreibtischstuhl, vorher besaß ich keinen, ist auch dageblieben. So kann ich nun dank geschickter Raumplanung der Untermieter von meinem Homeoffice-Arbeitsplatz in der dritten Etage dem bunten Treiben auf der Dudweilerstraße frönen. Da gibt es immer etwas zu entdecken. Besonders die Stadttauben – bei der Wahl zum Vogel des Jahres nur auf Platz fünf gewählt – sorgen für Unterhaltung. Haben Sie das Balzverhalten der Vögel mal genauer beobachtet? Die aufgeplusterten Männchen möchten die Weibchen scheinbar mit ihrer absoluten Schwindelfreiheit beeindrucken. Unaufhaltsam drehen sie sich, so oft sie können, um die eigene Achse. Erst links herum, dann zweimal rechts. Man bekommt schon fast Mitleid mit den männlichen Tauben, denn häufig werden die waghalsigen Pirouetten auf den Dächern der Stadt bloß mit Wegfliegen quittiert. Lasst euch davon bitte nicht entmutigen, liebe Tauben. Ihr habt jetzt ein Publikum – und das zählt auf euch.