Kolumne übers Wetter und das Unvermögen, einen Schirm zu behalten

Kolumne So kann’s gehen : Gut bereift, schlecht beschirmt

Wer mit Zerstreutheit geschlagen ist, erlebt einen Alltag, in dem unerwartet häufige Tiefen den paar Höhen ihren Reiz zu nehmen drohen. Der Freude über einen Geistesblitz folgt in unschöner Regelmäßigkeit das Kopfschütteln über die eigene Unzulänglichkeit.

Endlich Frühling. Kurz nach dem Kurbeln an der Uhr drehen die Profi-Schrauber in der Autowerkstatt meines Vertrauens drauflos und wechseln die Reifen. Bislang war jetzt das Umsteigen auf die Sommerschuhe unseres Kleinwagens angesagt. Diesmal machen wir alles anders.

Nachdem ich mich für Ganzjahresreifen entschieden hatte, deren Montage am Freitag ansteht, fühlte ich mich wunderbar. Wie weitsichtig, dass ich mir den nächsten Oktobertermin in der Werkstatt erspare. Wie praktisch, nicht auch vor Ostern 2020 den Weg ins Autohaus antreten zu müssen.

Doch bevor mir die Freude über die Wahl des allwettertauglichen Gummi-Vierers endgültig zu Kopf stieg, holte mich eine meiner vielen Unzulänglichkeiten ein. Diesmal ging es um mein Unvermögen, einen Regenschirm über einen längeren Zeitraum griffbereit zu haben. Meine jüngste Erwerbung mit weißen Punkten auf schwarzem Untergrund ließ ich in der vergangenen Woche bei einem Termin in Burbach stehen. Gegen das Zurückholen des guten Stücks spricht die Distanz: Der abgängige Regenschutz ist mindestens zehnmal weiter weg von meinem Arbeitsplatz als der nächste Drogeriemarkt, in dem es die Wasser-Abweiser für ein paar Euro gibt. In Kleinblittersdorf, wo die robusten Regen-Requisiten auch zu haben sind, ist meine Schirmkauf-Frequenz mittlerweile sogar derart hoch, dass die Damen vom Geschäft schon grinsen, wenn ich den neusten Weggefährten auf das Kassenband lege.

Ich könnte mir schon einige Lösungen gegen das leidige Nachkaufen vorstellen. Warum pfeift so ein Ding nicht, wenn sein Besitzer daran vorübergeht und sich mehr als zehn Meter davon entfernt? Oder wenn es länger als eine Viertelstunde im Ständer parkt. Der Schirm-Herr – oder die Schirm-Herrin – müsste den Pfiff nur kurz erwidern und wäre an das gute Stück erinnert. Damit hätte alles seine Ordnung.

Und noch ’ne Idee: Der Handel bietet Schirme regelmäßig und vergünstigt als Doppelpack an. Slogan: Bezahl zwei, dann kannst du später einen vergessen. Nur dürfte das bei meiner Zerstreutheit wohl auch nicht funktionieren. Wie ich mich kenne, erstehe ich die zwei Begleiter und bin sie beide schneller wieder los, als mir lieb ist.