Kolumne über die Folgen eines Wasserrohrbruchs für Frank Kohler

Kolumne So kann’s gehen : Wann Wasser plötzlich kostbar wird

Selbst in einem gut organisierten Land genügen Kleinigkeiten, um einen Tagesablauf durcheinanderzubringen. Ein Wasserrohrbruch gehört dazu.

Bis gegen zehn führt sich der Mittwoch auf wie die meisten seiner Vorläufer: unauffällig. Ich bin noch nicht dazu gekommen, das Papageien-Haus von Sir Tobi zu putzen, muss vorher ohnehin noch nach Bliesransbach, werde gegen 11 Uhr ....

Da läutet das Telefon. Unser Hausherr muss uns darauf hinweisen, dass es einen Rohrbruch in der Straße gibt. Mit einer unangenehmen Folge: Für eine Stunde werden die Arbeiter das Wasser abstellen. Jetzt rattert’s im Kopf los. Was tun, um noch schnell einen Notvorrat anzulegen?  Mineralwasser aus dem Keller herbeischleppen? Auf gut Glück den Wasserhahn aufdrehen, bis das letzte Rinnsal daraus versiegt ist? Ich entscheide mich für die Wasserhahn-Variante, schränke die Entnahmezeiten auf ein paar Sekunden ein. Und siehe da: Der Hahn lässt ohne Wenn und Aber genügend von dem kostbaren Nass raus. Genug, um die Papageien-Villa auf Vordermann zu bringend. Genug, um noch mal eben die Zähne zu putzen. Genug, um mir wieder einmal klarzumachen, wie froh ich sein kann, dass hierzulande meist ein Tag wohltuend dem anderen gleicht. Und genug, um mir vor Augen zu führen, wie kostbar plötzlich ein paar Liter Wasser sein können.