Kolumne So kann’s gehen : Die edlen Damen und Herren von der Saar

Wir Saarländerinnen und Saarländer haben ja so manche sprachlichen Eigenheiten. Eine davon ist wahrlich königlich.

Ich weiß ja nicht, inwieweit Sie die Neuigkeiten aus der glitzernden Welt des europäischen Hochadels verfolgen. All die blaublütigen Royals und Herzogs und Von-Irgendwasses. Ich persönlich verbringe zwar nicht allzu viel Lebenszeit damit, mich mit königlichen Hochzeiten, Essgewohnheiten und Familienzwisten zu befassen, aber sogar mir ist der Vaterschaftsstreit im belgischen Königshaus nicht entgangen.

Sie haben es sicher auch mitbekommen: die gar nicht mehr so junge Frau, die jahrelang dafür kämpfte, vom früheren belgischen König Albert als Tochter anerkannt zu werden. Jetzt hat ihn ein Gericht in letzter Instanz sozusagen der Vaterschaft überführt. Und Delphine Boël, so der bisherige Name der außerehelichen Tochter, darf sich nun Prinzessin Delphine von Sachsen-Coburg und Gotha nennen. Ein Name, der übliche Passformulare weit überschreiten dürfte. Aber die neue Prinzessin, so kann man in einschlägigen Gazetten lesen, ist zu Tränen gerührt, dass sie jetzt adlig ist. Sie hat viele Jahre dafür gekämpft.

Für uns Saarländer, so erläuterte es mir kürzlich meine Friseurin, ist die Sache mit dem Von und Zu da deutlich einfacher. Wir sind nämlich qua Sprache schon alle von adliger Herkunft. Meine Friseurin zum Beispiel ist eine „Von der Münchwies“. Die Kollegin ist eine „Von Neinkerje“, und ungezählt sind in der Landeshauptstadt die „von Malstatts“ und die „von Burbachs“. Wir Saarländer waren halt immer schon cleverer. Wir brauchen keinen langen Rechtsstreit und kein blaues Blut. Wir streichen einfach nur das Wörtchen „Aus“ aus unserem Wortschatz. Eigentlich unerklärlich, dass bei „Gala“ und „Bunte“ noch niemandem diese Häufung echten Herzens-Adels aufgefallen ist.