Kolumne : Promillegrenze für Vögel

Wenn ein Mücke einen betrunkenen Menschen sticht, hat das Tier danach einen sitzen. Das erzählte mir neulich ein befreundeter Biologe. Gut möglich also, dass es am Ballermann weniger Mückenstiche gibt als in Kurorten.

Denn die Insekten auf Mallorca fliegen vermutlich häufig  verkatert oder volltrunken umher. Anderen tierischen Trinkern kann das kaum passieren: Amsel, Drossel, Fink und Star sind nämlich echte Schluckspechte. Wären die Piepmätze so schwer wie ein Mensch, könnten sie alle acht Minuten eine Flasche Wein schlürfen, ohne betrunken zu werden. Wieso? Das Enzym, das den Alkohol abbaut, ist bei den Vögeln in besonders hoher Konzentration vorhanden, so dass sich die gefiederten Flieger den Bauch problemlos mit vergorenen Beeren vollschlagen können. Das erklärt der Biologe Mario Ludwig in einem Interview, das ich kürzlich gelesen habe.

Allerdings vertragen nicht alle Piepmätze harten Stoff. Eine richtige Alkohol-Eskapade erlebte etwa der sibirische Seidenschwanz. Dem Tier wird’s in heimischen Gefilden manchmal einfach zu kalt, weshalb es in harten Wintern nach Mitteleuropa fliegt. Als sich im Jahr 2006 einige sibirische Seidenschwänze in Wien mit vergorenen Früchten vollstopften, sind sie danach mitten im Flug einfach abgestürzt. Eine gefährliche Sache. Auch wenn Amseln und Stare es vermutlich nicht einsehen wollen, wird es höchste Zeit für eine Promillegrenze im Vogelflugverkehr. Solch eine Grenze hat sich schließlich auch im menschlichen Straßenverkehr bewährt. Sie wurde übrigens in den 70er Jahren von einem SPD-Verkehrsminister auf 0,8 Promille verschärft. Der Mann rief auch eine Antialkohol-Kampagne ins Leben. Sein Name: Georg Leber.