Kolumne So kann’s gehen : Der Schock in der Bäckerei

Was darf es sein?“ – Die so oft gestellte Frage in der alt eingesessenen Bäckerei um die Ecke ist an den tollen Tage schnell beantwortet. „Ei Faasekiechelscher, selbstverständlich.“ Doch die Vorfreude weicht schnell dem Schrecken.

„Hann mir kenn“, sagt die Frau hinter der Theke. Wie bitte? Droht jetzt der Super-GAU? Fällt etwa die Faasend aus? Frei nach dem Gassenhauer: „Unn wenn mei Bäcker kenn Kiechelscher backt, dann fei‘re ma aach kenn Faasenacht?“

Dann aber Entwarnung. „Unn was is das?“, frage ich, nachdem ich verzweifelt mit großen Augen die Auslage abgesucht habe? „Ei das sinn Kameruner“, sagt die Verkäuferin. „Kameruner? Kenn‘ ich jo gar nett“, sage ich. Sie sehen ein wenig anders aus als die akkurat mit dem Wasserglas ausgestochenen Faasekiechelcher meiner Mutter. Außerdem haben sie den Ansatz eines Donut-Loches in der Mitte und sind mit Zucker anstatt mit Puderzucker bestreut. Aber ansonsten ist die Ähnlichkeit zum Traditionsgebäck der saarländischen Faasebooze in der Tat frappierend.

Zwar verstehe ich nicht so ganz, warum die jetzt unbedingt Kameruner heißen müssen. Trotzdem bin ich erleichtert und bestelle erneut: „Vier Faasekiechelcher bitte“, sage ich voller Erwartung. Den Blick auf das gerichtet, was die Bäckerei meines Vertrauens unter dem Namen Kameruner verkauft. Und die Verkäuferin versteht mich sofort.

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