Dosenbier: Knack, zisch und rein ins Glas

Dosenbier : Knack, zisch und rein ins Glas

In einem guten Restaurant bringt der Kellner eine Dose Bier an den Tisch, zeigt die Beschriftung, lässt den Verschluss knacken und schenkt das Bier ins edle Glas. So mag ich das und wünsche allen: Mehr Mut zum Dosenbier.

Der Mann druckste etwas herum. Dann fasste er sich ein Herz und sagte mitten hinein in die Runde von Menschen, die alle edle Biere in speziell dafür angefertigten langstielige Gläsern in der Hand hielten: Bier müsse man aus der Dose trinken. Und das einzig wahre Dosenbier sei Becker Pils. So, er atmete durch, jetzt war es raus. Der Mann hatte aber noch Luft für eine Frage: Was ich denn als Biersommelier davon halte? Antwort: Ich mag Dosenbier.

Und Becker, also Karlsberg, die Firma, die die St. Ingberter Brauerei 1989 übernommen und die Produktion des Biers ein knappes Jahrzehnt später nach Homburg in die eigene Braustätte verlagert hat, macht ein solides Pils. Dennoch: Bier direkt aus der Dose zu trinken, mag kultig sein oder cool, aber: Im Glas entwickelt Bier mehr Geschmack – beziehungsweise es fällt im Glas womöglich auch auf, dass ein Bier nicht viel Geschmack hat. Aber es gibt immer wieder Gelegenheiten, da geht es vor, cool zu sein und kultig zu wirken.

Generell sind Dosen das Beste, was einem Bier passieren kann. Einer der größten Feinde eines fertigen Bieres ist nämlich das Licht. Dagegen helfen braune und grüne Flaschen zwar ganz gut, aber eben nicht so gut wie die komplett lichtundurchlässige Dose. Wobei ein Fass auch nichts anderes ist als eine besonders große Dose. Für die Dose spricht außerdem, dass sie leichter ist als Glas, besser zu transportieren ist und – wenn es eine gute Dose ist – auch keinen Geschmack ans Bier abgibt. Dass Dosenbier in Deutschland dennoch einen nicht gerade guten Ruf hat, mag daran liegen, dass Dosenbier als Billigbier gilt.

Andernorts ist man da schon etwas weiter. In den Vereinigten Staaten habe ich vor ein paar Wochen in einem durchaus guten Restaurant ein Craft Beer im oberen Preissegment zum Essen bestellt. Der Kellner brachte es in der Dose, öffnete sie am Tisch und goss das Bier ins Glas. Herrlich!

Greg Koch, der mit seiner Stone Brewing Company seit gut 20 Jahren in Kalifornien sehr erfolgreich alles andere als Billigbier braut und gerade erst in Berlin rund 25 Millionen Euro in eine neue Dosenbier-Brauerei mit Gastronomie investiert hat, sieht es als eins seiner großen Ziele, Bier in Dosen auch in Deutschland gesellschaftsfähig zu machen. „Wir werden intensiver daran weiterarbeiten, Missverständnisse über Bier in Dosen zu entkräften“, sagte er im Magazin Hopfenhelden. Es wäre wundervoll, wenn das gelingt.