Klingelingeling, ein Rad kommt

SZ-Mitarbeiterin Traudl Brenner findet, dass Paris auch beim Radfahren vorbildlich ist.


Mal wieder kurz in Paris gewesen. Und festgestellt: Da gibt es ja tatsächlich absolut sichere Wege für Radfahrer! Könnten wir das nicht nachmachen?

Gut - auch in Paris ist das nicht überall so perfekt, in den engen Altstadt-Gässchen geht sowas ja nicht. Aber an breiten Straßen - zum Beispiel am Père Lachaise, dem Promi-Friedhof - sind die speziellen Fahrspuren für die Radler nicht nur mit ein bisschen Farbe markiert, wie bei uns: Dort hat man kleine Wälle angelegt, die Autofahrer hindern, mal kurz über die Markierung auszuweichen - und Radler, umgekehrt, sich bei Bedarf unter die Autofahrer oder die Fußgänger zu mischen. Da muss also nun jeder notgedrungen auf seiner Spur bleiben, sonst platzen die Reifen.

Und noch eine gute Begleiterscheinung: Kein Lieferauto kann auf dem Radweg parken: Es kommt nicht drauf. Den Fußgängern strampeln auch keine Radfahrer entgegen, weshalb sie dann, um zu überleben, gezwungen sind, schnell auf die Straße zu hüpfen. Klingeln ist da gar nicht nötig.

Bei uns wäre es durchaus nötig - aber es ist ja, warum auch immer, sowas von out! Neulich habe ich ess mal riskiert, als ich auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke unterwegs war - zugegeben: auf dem Bürgersteig, weil die Straße ja lebensgefährlich für unsereins ist. Breit sind die Trottoirs ja - aber da war vor mir eine große, schwadronierende Clique. Kein Vorbeikommen. Also hab ich mal kurz auf die Klingel gedrückt. Aber was glauben Sie, wie die Leute mit mir geschimpft und mit dem Finger auf die Stirn gezeigt haben!