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Ist er's – oder ist er's nicht?

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ARRAY(0x8adae80) FOTO: Robby Lorenz
Mitten im Leben. Ein dienstlicher Termin steht an. Das Treffen mit einem Mann, den ich seit Jahren kenne, aber ewig nicht mehr gesehen habe. Ich betrete das schöne Saarbrücker Ausflugslokal im Allmet und schaue mich um. Michèle Hartmann

Nein, er scheint noch nicht da zu sein. Bin ja auch wieder viel zu früh, wie immer. Ich setze mich an die Theke und bestelle ein Getränk. Etwa zwei Meter weiter, auf dem gemütlichen Bänkchen links in der Theken-Ecke, da sitzt ein Mann. Ich grüße ihn und er grüßt zurück. Sakra, ist er das? Ähnliche Statur, graues kurzes Haar - das könnte er sein. Ich schaue verstohlen hinüber. Und auch der Mann, der in einer Zeitschrift blättert, schaut rüber. Ein wenig scheint er nachzudenken. Oh, liebes Bisschen, soll ich ihn nun ansprechen, oder nicht? Der nächste fragende Blick wandert rüber. ,,Möchten Sie eine Illustrierte?", fragt der Mann sehr freundlich und ich verneine. Ich sage ihm, dass ich hier einen Mann treffen will, der bestimmt gleich da ist. Ich werde nervös, halte mich mit der rechten Hand am Glas fest und beginne leise aber hektisch mit den Fingern der linken Hand auf der Theke zu trommeln. Soll ich ihn nun fragen oder nicht? Ist er das, oder ist er es nicht? Was soll der eigentlich von dir denken? Dass du auf Männerfang bist? ,,Tschüss" sagt das Selbstbewusstsein und dreht eine Runde um den Gasthaus-Teich.

Da geht pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt die Wirtshaustür auf. Und herein marschiert - der Gesprächstermin. Mensch, der sieht ja fast aus wie früher, denke ich. Nun schnell das Selbstbewusstsein wieder einfangen. Und schon stellt sich pure Erleichterung ein.