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In einer Saarbrücker Buchhandlung verschwand ein Sessel und tauchte wieder auf.

Kolumne : Er ist wieder da

Gute Freunde kann keiner trennen. Das gilt auch für Leser und ihre Sessel.

Da steht er wieder.  Foto: Jörg Wingertszahn

Danke! Vielen Dank, liebe Buchmenschen, dass ihr mir „meinen“ Sessel in eurer Buchhandlung wieder hingestellt habt. Am Freitag konnte ich meinen Augen kaum trauen, als ich in entdeckte. Es war ein Wiedersehen mit einem guten alten Freund, mit dem ich schon viel geschmökert habe. Für den Keller war er definitiv zu schade.  Am Samstag beschlich mich nachmittags dann ein ungutes Gefühl. Etwas beschäftigte mein Unterbewusstsein. Dann wurde mir klar, was es war: Ich hatte Angst. Angst um „meinen“ Sessel. Was, wenn man ihn wieder entsorgt hätte? Ich beschleunigte meine Schritte auf dem Weg in meine Lieblingsbuchhandlung. Gleich am Eingang reckte ich den Kopf, um ihn möglichst schon von weitem zu entdecken. Keine Chance, es war zu voll. Mit Schweißperlen auf der Stirn pflügte ich durch die Menschenmenge. Alles Mögliche ging mir durch den Kopf. Ein zweites Mal verlassen zu werden, würde ich nicht ertragen. Und dann, ja dann, dann stand ich vor ihm. Alles gut. Er war noch da. Ich ließ mich reinplumpsen und freute mich. Seitdem ist mein seelisches Gleichgewicht wieder im Lot. Denn wie sang schon 1966 Franz Beckenbauer: Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein, weil sie eines im Leben können, für einander da zu sein. . .