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In der Corana-Krise entstehen auch neue saarländische Mundart-Wörter.

Mundart : Die Sache mit dem Schbrühzeusch

Die Zeit frisst Wörter. Manchmal kaut sie ziemlich lange darauf herum, bevor sie sie runterschluckt. Manchmal entkommt ein Wort dem gefräßigen Schlund der Zeit auch.  „Hurtig“ ist so ein Wort, dem ich lange nicht mehr begegnet bin und über dessen Auftauchen ich mich so gefreut habe, dass ich neulich an dieser Stelle davon geschwärmt habe.


„Hurtig“ kam mir wieder in den Sinn, als mir meine Frau von einem Mann erzählt hat, der ihr in unserem Liebslingssupermarkt aufgefallen ist.  Sie hat zwar nicht „hurtig“ gesagt, aber das Wort ist mir bei ihrer Erzählung regelrecht vor die Füße gefallen. Der Mann hatte offenbar nicht die Muße, die für mich den Unterschied zwischen  Einkaufen und Sondereinsatzkommando-Aktion (einen genauen Plan machen, reingehen, Zielobjekte rausholen, schnell verschwinden) ausmacht. Er war in Eile und teilte einem Bekannten per Zuruf mit, er müsse „nur noch schnell Schbrühzeusch holle“. Er meinte damit etwas, über das vor wenigen Wochen kaum jemand außerhalb von Krankenhäusern gesprochen hat: Desinfektionsmittel. Schbrühzeusch. Schön. Die Zeit gebiert also auch Wörter.