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In den Wind geschlagen

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ARRAY(0x2b065a2f8) FOTO: Robby Lorenz
SO KANN’S GEHEN. SZ-Redakteur Frank Kohler schlug einen guten Rat in den Wind und bedauerte es sehr schnell.

Minuten nur lagen zwischen wohliger Bettwärme und der Frühlingskühle, die noch heimtückisch in den Straßen hockte.Energisch mit den Armen gegen das Frösteln anrudernd, rannte ich ins Dorf, dem ersten Termin des Tages entgegen. Nach wenigen Metern durchzuckte mich zweierlei. Zum einen dieses merkwürdige Ziehen im Rumpf, das mich fortan den ganzen Tag begleiten sollte. Zum andern die Erinnerung an einen Tipp, den ich keine 24 Stunden zuvor einfach in den Wind geschlagen hatte.

Auf die Frage der erfahrenen Fitness-Lehrerin, ob ich mich denn auch mit Streckübungen aufs morgendliche Laufen vorbereite, antwortete ich leichthin: "Nö, brauch' ich nicht."

Das war ein Irrtum, wie sich jetzt schmerzhaft herausstellte. Wohin ich gestern auch ging und wann immer ich noch so zaghaft versuchte, vom Dahinschleichen in eine zumindest laufähnliche Bewegung zu wechseln: Es tat weh. Aber das brachte mir zwei Erkenntnisse: Ich werde meinen Körper, ein Modell aus den frühen 1960er-Jahren, künftig sorgfältiger aufs Laufen einstimmen.

Und ich werde nie wieder vorschnell "Brauch' ich nicht" sagen. Mit einer Ausnahme: Den neuen Fön, den ich gestern im Schneckentempo nach Hause trug, braucht angesichts meiner unübersehbaren Haarlosigkeit wirklich nur noch einer in der Familie: meine Frau.