Ich - uncooles Klima-Opfer

SZ-Redakteur Fabian Bosse erfährt, dass das Feuer aus ist.

Verdammt. Nein, nein, nein. Ich wusste, dass das irgendwann passiert. Ich bin einer von denen, die ich selbst früher nicht werden wollte. Ich bin nicht mehr cool, ich bin ein Erwachsener! Meine Street Credibility ist im Keller, seit es so verdammt kalt geworden ist. Ich weiß auch nicht, was mit mir nicht mehr stimmt. Denn: Ich friere, und andere machen munter mit dem Sommer weiter. Jetzt weiß ich nicht, ob der Klimawandel schon Auswirkungen auf die nächste Generation hatte. Ich meine, vielleicht reagieren die auf Klima-Erscheinungen wie Hitze und Kälte nicht mehr so, wie meine Generation. Zerlatschte Chucks, bauchfreie T-Shirts, dünne Leggins, ja sogar kurze Hosen habe ich schon gesehen. Hallo? Seit es heutzutage kaum noch Möglichkeiten gibt, sich gegen die Elterngeneration aufzulehnen, rebellieren die nun in einem "No Frost"-Protest"?

Der Neurobiologe Ralph Dawirs hat das Phänomen sogar erklärt: Bauchfrei bei minus fünf Grad sei nicht nur cool, die Teenager würden auch nicht unter der Kälte leiden, sagte der Wissenschaftler in einem Artikel. Zwar frieren die, aber sie nehmen es nicht wahr. Dawirs meint auch, wir würden Jugendliche massiv unterschätzen. Der eigene Organismus wüsste besser als Mama oder Papa, ob er friere. "Wenn man innen heiß ist, dann friert man eben auch nicht so", war sein Schlusssatz.

Juhuu. Denn im Umkehrschluss heißt das doch auch: Ab 30 wird man innen cool und außen heiß! Liebe Mittdreißiger, Zeit, mal wieder 'ne Schicht Klamotten auf die Glut zu werfen.